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Inzwischen als zu lang verworfener Entwurf einer Rede von Dr. Wolfgang Klosterhalfen im Düsseldorfer Rathaus beim Anregungs- und Beschwerdeausschuss

(10.7.2013, 15 Uhr, großer Sitzungssaal)

Davor ab 11 Uhr vorm Rathaus: Infotisch mit den umstrittenen Büchern.

Der neue Entwurf der Rede steht hier: www.reimbibel.de/x3.htm

Pressemeldung: www.reimbibel.de/x5.htm

Eingabe von Klosterhalfen und Stellungnahme der Stadtbücherei: www.reimbibel.de/x1.htm

Die gesamte Korrespondenz mit der Stadt: www.reimbibel.de/x.htm

Es kommt mit Sicherheit eine Journalistin der RP, vermutlich werden auch WZ und NRZ vertreten sein.

Sehr geehrter Herr Vorsitzender, sehr geehrte Mitglieder des Ausschusses und last not least: sehr geehrte Bürger und Bürgerinnen von Düsseldorf!

Das Amt für Kommunikation schreibt auf seiner Homepage: „Kommunale Selbstverwaltung lebt vom Interesse und von der Teilnahme der Bürgerinnen und Bürger an den öffentlichen Dingen. Der permanente Dialog zwischen Kommune und Bürgern ist deshalb eine Grundvoraussetzung der Selbstverwaltung.“

Dem kann ich aus ganzem Herzen zustimmen. Leider musste ich die Erfahrung machen, dass meine Teilnahme am kommunalen Geschehen nicht auf das Interesse der Stadtbücherei gestoßen ist. Ich bin von Angestellten der Stadt in einer Weise behandelt wurde, die eher zu einem christlichen Obrigkeitsstaat passt als zu einem demokratischen Gemeinwesen, in dem niemand wegen seiner Weltanschauung bevorzugt oder benachteiligt wird. Von einem Dialog konnte dabei kaum die Rede sein. Meine Argumentation hat die Stadtbücherei komplett ignoriert und mich stattdessen mit Textbausteinen beworfen.

Bedauerlicherweise hat die Stadt meine Eingabe in einer Weise angekündigt, die suggeriert, ich sei ein Querulant: „Der Einsender beschwert sich darüber, dass die Stadtbücherei die Anschaffung einiger von ihm vorgeschlagener Bücher mit religionskritischem Inhalt ablehnt.“ Natürlich habe ich nie erwartet, dass die Stadtbücherei alle 12 von mir vorgeschlagenen Bücher erwirbt. Aber es sind zu meiner unangenehmen Überraschung nicht einige Bücher abgelehnt worden, sondern alle 12. Nachdem ich mich darüber beim Anregungs- und Beschwerdeausschuss beklagt habe, wurde mit einer zweiten Liste von 10 Büchern gnädiger verfahren. Inzwischen sind vier davon ausleihbar. Wenn man alle Bücher zusammenzählt, sind also nicht nur einige, sondern 18 von 22 Vorschlägen abgelehnt worden. Und zwar unter dem Vorwand, sie seien zu speziell und zu wissenschaftlich. Ich vermute als wahren Grund, dass fast alle Bücher das Christentum kritisieren.

Im März des letzten Jahres schrieb ich dem Leiter der Beschaffungsabteilung der Stadtbibliothek, Herrn Klaus Peter Hommes:

„In Düsseldorf gehören 46% der Bevölkerung nicht den großen Kirchen an.

Nicht nur für diese Gruppe von Bürgern, sondern auch für Christen ist die in letzter Zeit vermehrt öffentlich vorgetragene Religionskritik von Interesse. Da Christen in der Politik und den Medien überrepräsentiert sind, erfährt man auch in Düsseldorf relativ wenig über neuere kirchenkritische Bücher. Es würde mich daher freuen, wenn es Ihnen möglich wäre, einige der folgenden Titel nicht nur für die Zentrale, sondern auch für die Stadtteilbüchereien anzuschaffen:“

Es folgten 11 Titel, die eine kirchenkritische Tendenz haben, beim 12. Buch handelte es sich um eine Einführung in die Philosophie.

Herr Hommes versprach daraufhin, meine Buchvorschläge zu prüfen, woraufhin ich ihn bat, mir das Ergebnis seiner Überprüfung mitzuteilen.

Ich habe dann von Herrn Hommes nichts mehr gehört. Im März dieses Jahres stellte ich fest, dass kein einziges der 12 Bücher angeschafft worden war. Auf meine Nachfrage hin erklärte mir Herr Hommes diese Totalablehnung wie folgt:

„wir haben Ihre Buchwünsche geprüft und uns dagegen entschieden, weil sie für uns als Öffentliche Bibliothek zu speziell sind. Über die Fernleihe können wir diese Bücher gerne für Sie aus wissenschaftlichen Bibliotheken besorgen.“

Daraufhin habe ich entgegnet:

„Bei etlichen der von mir vorgeschlagenen Titel finden Sie bei Amazon eine ungewöhnlich hohe Zahl von Buchbesprechungen, und dies auch bei Büchern, die von den Medien gar nicht oder nur wenig beachtet worden sind. Dass Aufklärung über die fragwürdigen biblischen Grundlagen des christlichen Glaubens und die massive finanzielle Unterstützung der Kirchen durch den Staat bei geringen Ausgaben der Kirchen für Soziales den großen Religionsanbietern unangenehm ist, kann ich verstehen. Es ist aber nicht Ihre Aufgabe, als Leiter der Beschaffungsabteilung einseitig kirchliche Interessen zu vertreten, sondern den Bürgern der Stadt auch neuere kirchenkritische Abhandlungen zur Verfügung zu stellen, die durch das bekannte Buch von Richard Dawkins nicht abgedeckt sind.“

Die Stadtbücherei hat sich über drei Artikel des Grundgesetzes hinweggesetzt.

Seit 1919 gilt nämlich: Es besteht keine Staatskirche.

In Artikel 3 steht u.a. „Niemand darf wegen … seiner religiösen oder politischen Anschauungen benachteiligt oder bevorzugt werden.“

In Artikel 5, Absatz 1, heißt es: „Jeder hat das Recht, seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern und zu verbreiten und sich aus allgemein zugänglichen Quellen ungehindert zu unterrichten. … Eine Zensur findet nicht statt.“

Ich werfe der Stadtbücherei vor, dass sie die Meinungsfreiheit von kirchenkritischen Autoren und die Informationsfreiheit von Düsseldorfer Bürgern beeinträchtigt hat. Eine Zensur hat aus weltanschaulichen Gründen stattgefunden. Nicht die Begrenztheit der finanziellen Mittel war entscheidend, sondern die privaten religiösen Überzeugungen von städtischen Angestellten. Diese haben sich verhalten, als seien sie der verlängerte Arm der katholischen Kirche. Bezahlt werden sie allerdings nicht aus Kirchenmitteln, sondern von allen Steuerzahlern.

Die Stadtbücherei sollte sich lieber in den Dienst der Aufklärung stellen, der wir historisch gesehen so viel zu verdanken haben und sich weniger für die Verklärung religiöser Vorstellungen aus der Bronze- und Eisenzeit einsetzen.

Als ich feststellen musste, dass alle 12 Bücher quasi auf dem städtischen index librorum prohibitorum gelandet sind, dachte ich nur „Ach, du heilige Scheiße!“.

Und damit sind wir bei Buch Nr. 1.

1.         Stefan Bonner und Anne Weiss (2011) Heilige Scheiße: Wären wir ohne Religion wirklich besser dran?

Dazu gibt es bei Amazon 109 Besprechungen. Zum Vergleich ein paar Bücher prominenter Christen:

Anselm Grün, Buch der Antworten: 3 Besprechungen bei Amazon

Margot Käßmann, Gut zu leben: 0, In der Mitte des Lebens: 39, Mütter der Bibel: 2,

Sehnsucht nach Leben: 19, Wenn die Dunkelheit leuchtet: 2, Meine schönsten Weihnachtsgeschichten: 2

Matthias Matussek, Das katholische Abenteuer: 47

Das Buch “Heilige Scheiße“ ist weder zu speziell noch wissenschaftlich. Es behandelt neben Religionen auch andere esoterische Systeme und spricht in seinem Stil vor allem junge Leser an. Die Autoren sind durch den Bestseller „Generation Doof“ (sensationelle 246 Besprechungen bei Amazon!) einem breiten Publikum bekannt geworden.

  1. Edgar Dahl (2010) Wer zur Hölle will schon in den Himmel?

Es handelt sich hier um eine Sammlung religionskritischer Aphorismen. Seitwann sind Aphorismen zu speziell oder zu wissenschaftlich?

Zunächst hatte Herr Hommes eingewendet, Edgar Dahl würde sich bereits mit Werken im Bestand der Stadtbücherei befinden. Ein Pseudoargument, denn bei den beiden vorhandenen Werken geht es um Biologisches: „Xenotransplantation“ und „Die Gene der Liebe“.

  1. Carsten Frerk (2010) Violettbuch Kirchenfinanzen: Wie der Staat die Kirchen finanziert (16 Besprechungen)

Ein politisch brisantes Buch, dass inzwischen in der Politik und den Medien angekommen ist. Die umfangreichen Recherchen zu diesem Buch kann man als wissenschaftlich bezeichnen, da sie viel Unbekanntes – und für die Kirchen Unbequemes – zu Tage gefördert haben. Es ist aber kein wissenschaftliches, sondern ein populärwissenschaftliches Buch, das der politischen Bildung dient.

  1. Carsten Frerk: Caritas und Diakonie in Deutschland Caritas und Diakonie verfügen zusammen über 1,3 Millionen feste Arbeitsplätze und sind nach dem Staat der größte Arbeitgeber in Deutschland. Die beiden großen Kirchen tragen laut Frerk nur jeweils 2% zu den laufenden Kosten dieser Einrichtungen bei, mischen sich aber in das Sexualleben ihrer Angestellten ein, lassen echte Gewerkschaften und Streiks nicht zu und lehnen „atheistische“, „muslimische“ und andere nicht-christliche Menschen, die auf Stellensuche sind, ab. Eine öffentliche Diskussion dieser Probleme hat – nicht zuletzt dank des obigen Buchs – gerade begonnen. Das Buch basiert ebenfalls auf empirischen Erhebungen, ist aber kein für Laien unverdauliches wissenschaftliches Werk.

5. Heinz-Werner Kubitza (2011) Der Jesuswahn: Wie die Christen sich ihren Gott erschufen. Die Entzauberung einer Weltreligion durch die wissenschaftliche Forschung (55 Bespr.)

Der promovierte Theologe Kubitza referiert in diesem populärwissenschaftlichem Werk für Laien Ergebnisse der kritischen Theologie. Die heutigen Universitäts-Theologen sind sich weitgehend darüber einig, dass die meisten „Worte Jesu“ diesem nachträglich in den Mund gelegt worden sind. Dies wurde mir vor etwa zwei Jahren bei einer Veranstaltung im Düsseldorfer Maxhaus, einer Einrichtung des Erzbistums Köln, die nicht gerade als Hort des „Atheismus“ gilt, von der Theologie-Professorin Saskia Wendel bestätigt. Maximal zehn „Worte Jesu“ könnten als echt gelten. (Mitveranstalter dieser überwiegend prochristlichen Mittwochsvorträge ist übrigens die städtische Volkshochschule.) Die Kirchen hüten sich, solche Erkenntnisse an ihre zahlende Kundschaft weiterzugeben. Kubitza hält Jesus für die am meisten überschätze Person der Weltgeschichte und begründet dies ausführlich. Das Buch ist geeignet, den christlichen Glauben zu erschüttern.

6. Heinz-Werner Kubitza (2011) Verführte Jugend: Eine Kritik am Jugendkatechismus Youcat. Vernünftige Antworten auf katholische Fragen (13 Besprechungen)

Schon Heinrich Heine hielt Glauben und Vernunft für nicht miteinander vereinbar. Er schrieb 1827an Karl August Varnhagen von Ense:

Ärgert dich dein Auge, so reiß es aus, ärgert dich deine Hand, so hau sie ab, ärgert dich deine Zunge, so schneide sie ab, und ärgert dich deine Vernunft, so werde katholisch.“ Heinz-Werner Kubitza hat hier aus rational-wissenschaftlicher Perspektive, aber in allgemeinverständlicher Form die ersten 165 Punkte des Youcat kommentiert, in denen es um die Grundlagen des Glaubens geht. Es gibt für gläubige und ungläubige Laien kaum eine bessere Möglichkeit, Inhalte und Probleme des katholischen bzw. christlichen Glaubens kennenzulernen, als den in der frommen Stadtbücherei natürlich vorhandenen Youcat und Kubitzas Youcat-Kritik parallel zu lesen.

7. Uwe Lehnert (2011) Warum ich kein Christ sein will – Mein Weg vom christlichen Glauben zu einer naturalistisch-humanistischen Weltanschauung

63 Leserrezensionen allein bei Amazon, davon 53 zustimmende. Ich zitiere aus einer Rezension wörtlich:

„Uwe Lehnert spannt einen weiten Bogen von den durchaus erkennbaren Gesetzen der Naturwissenschaften zu Gott, dem wohl ewig ungelösten Theodizee-Problem, den noch neuen Erkenntnissen der Neurobiologie zur Frage der Willensfreiheit, vom Dogma der Kirche und ihrer angemaßten Zuständigkeit für moralische Fragen, frühkindlicher Indoktrination, Sterbehilfe, Zwangsmissionierung, Sündenbegriff, Widerspruch zwischen Glaube und Wissen, Zensur in Weltanschauungsfragen, bis hin zum Sinn des Lebens.“ – „logisch nachvollziehbare, in verständlicher und doch präzise-eleganter Sprache gehaltene Fakten, die jedermann und jederfrau einleuchten. Keine gelehrte Haarspalterei, sondern „gesunder Menschenverstand“ auf höchster Ebene. Ein interdisziplinärer Schuster, der entgegen dem Sprichwort über die Grenzen seines „Leistens“ hinausschaut und selbstverständlich nie auch nur in die Nähe des Stammtischniveaus gerät, wo Leute über Dinge reden, von denen sie keine Ahnung haben.“

Uwe Lehnert ist ein emeritierter Professor für Didaktik der FU Berlin. Entsprechend gut verständlich ist sein Buch über schwierige wissenschaftliche und theologische Sachverhalte geschrieben. Es ist nicht einzusehen, warum eine umfassende, für ein breites Publikum geschriebene Kritik am Christentum, der eine rationale Weltanschauung gegenübergestellt wird, zu speziell oder zu wissenschaftlich für Düsseldorfer Bürger sein soll.

8. Fiona Lorenz (2009) Wozu brauche ich einen Gott?: Gespräche mit Abtrünnigen und Ungläubigen (10 Besprechungen)

Ungläubige oder vom christlichen Glauben Abgefallene berichten über ihre Gedanken und Erlebnisse. Bewegende, sehr persönliche Berichte. Auch dies Buch ist ohne Hochschulstudium bestens zu verstehen. Es ist bei Rowohlt erschienen und enthält Zeichnungen des bekannten Cartoonisten Ralf König.

9. Gerd Lüdemann (2011) Wer war Jesus?: Theologisch-politische Interventionen (1 Besprechungen)

Gegen die Anschaffung dieses Buchs war zunächst eingewendet worden, von diesem Autor sei schon ein Buch vorhanden. Es handelt sich dabei um ein sehr spezielles Werk Lüdemanns, in dem es ausschließlich um den 1. Brief des Paulus an die Thessalonicher geht. Das vorgeschlagene Werk ist weniger speziell und keineswegs zu wissenschaftlich, sondern bemüht sich gerade darum, wissenschaftliche Ergebnisse für Laien verständlich darzustellen. Der Autor ist der gegenwärtig prominenteste Vertreter der kritischen Theologie in Deutschland. Im Vorwort schreibt Lüdemann: „Im vorliegenden Band lege ich eine Auswahl von Essays vor, von denen die meisten in deutschen Tages- und Wochenzeitungen erschienen sind. … Die Gelegenheit, wissenschaftliche Probleme, die mein Spezialgebiet betreffen, vor einem großen Publikum literarisch bearbeiten zu dürfen, ist für mich immer eine große Herausforderung.“

10. Michael Schmidt-Salomon (2007) Wo bitte geht’s zu Gott?, fragte das kleine Ferkel. Ein Buch für alle, die sich nichts vormachen lassen (136 Besprechungen)

Dieses Buch erntete viel Lob und viel Kritik. Versuche, es als jugendgefährdend oder antisemitisch verbieten zu lassen, waren nicht erfolgreich. Für die etwa 50% Düsseldorfer Eltern, die nicht an einen persönlichen Gott glauben, und für die Kinderbibeln nicht in Frage kommen, ist das Ferkelbuch eine interessante Möglichkeit, mit ihren Kindern über die Lehren der drei abrahamitischen Religionen und deren – oft mörderische – Rivalität zu sprechen. Auch hier kann natürlich keine Rede davon sein, das Buch sei zu speziell oder gehöre in eine wissenschaftliche Bibliothek. Siehe dazu unter www.ferkelbuch.de .

11. Jacques Tilly und Michael Schmidt-Salomon (2011) Anleitung zum Seligsein (13 Besprechungen)

Schmidt-Salomon ist im Kampf gegen den Goliath Kirche mit zigtausend vollbezahlten Akademikerstellen der David. Aber er zielt und trifft meist genau, und das wohl ganz ohne göttliche Hilfe. Für viele Christen ist der Vorstandssprecher der Giordano-Bruno-Stiftung das rote Tuch, seine Bücher sind aber durchweg gut zu lesen. Auch dieses Buch wurde nicht für wissenschaftliche Bibliotheken geschrieben. Vor allem für Düsseldorfer auch interessant wegen der Illustrationen von Wagenbauer Jacques Tilly.

12. Herbert Schnädelbach (2012) Was Philosophen wissen: und was man von ihnen lernen kann (6 Besprechungen)

Dazu schreibt der Verlag:„Ein brillanter Grundkurs in Philosophie – für Einsteiger und Fortgeschrittene. Herbert Schnädelbach demonstriert in vierzehn Kapiteln exemplarisch, was in der gegenwärtigen Philosophie verbindlich gelehrt und gelernt werden kann. Zusammengenommen sind seine Ausführungen ein brillanter Grundkurs in Philosophie.“

Dieses Buch ist in der Tat nicht ganz leicht zu lesen, dürfteaber nicht spezieller und wissenschaftlicher sein als die meisten der in der Stadtbücherei schon vorhandenen Philosophie-Bücher.

Zwischen Januar 2012 und Juni 2013 wurden von der Stadtbücherei über 130 Bücher christlicher Autoren erworben. Viele dieser Bücher sind sehr speziell. Und es wurde sogar eindeutig wissenschaftliche Literatur ins Regal gestellt:

Martin Ebner: Jesus von Nazareth

„Das Buch entstand aus einer Sonder-Vorlesung zum historischen Jesus, die sich an TheologiestudentInnen wandte. Der wissenschaftliche Apparat nimmt denn auch nicht selten die Hälfte einer Seite ein.

Ferner wurden gekauft: Philosophisch-theologische Streitsachen

(erschienen bei der Wissenschaftlichen Buchgesellschaft) sowie

Die Pius-Bruderschaft und das Zweite Vatikanische Konzil

(Universitätsverlag des Saarlandes: theologie.geschichte, Beiheft 4)

Während das ungläubige Ferkelbuch abgelehnt wurde, fand man folgende Bücher nicht zu speziell:

Bunte Gottesdienste für Minis

Kinderbibeltage

Der Chamäleonvogel – eine Ostergeschichte für Kinder und ihre Eltern

Feste im Kirchenjahr. Kindersachbuch (5x angeschafft)

Sonstige vermutlich fromme Bücher (da der Online Katalog der Stadtbibliothek nicht viel taugt, dürfte es davon noch mehr geben), ich zähle mal auf:

50 Jahre nach dem Konzil

abiturwissen evangelische religion kompetent evangelisch im abitur

Achtsam sprechen – kraftvoll schweigen

Atempausen für die Seele

Ausbreitung, Leben und Lehre der Kirche in den ersten drei Jahrhunderten

Baptismus: Geschichte und Gegenwart

Barmherzigkeit

Die Bibel

Mit der Bibel durch die Fastenzeit

Bernhard von Clairvaux

Brot, das den Hunger stillt

Die christlich-orthodoxe Mutter

Dietrich Bonhoeffer

Der betende Christ

Das antike Christentum

Die Christen: Expedition zu einem unbekannten Volk

Einfach beten

Einladung zu Wort und Sakrament

Freude

Ehejubiläen

Das Eigentliche ist so nah

Einfach leben

Einführung in die Geschichte der christlichen Symbole

Der Engel-Ratgeber

Das Buch vom Frieden

Frieden stiften, Frieden leben

Gedanken zum Diesseits, Jenseits und dem lieben Gott

Don Bosco

Offener Geist und gläubiges Herz

Gewagter Glaube

Glauben verstehen

Was glaubten die Menschen zur Zeit Jesu?

Eine gewisse Zuversicht

Getröstet werden

Gibt´s Gott?

Warum nur, Gott?

Die Geschichte von Gott

Ist da jemand?

Gott ist kein Nostalgiker

Kinder nicht um Gott betrügen

Sucht zuerst das Reich Gottes

Die großen Fragen oder: menschlich von Gott reden

Große Kraft in kleinen Dingen

Das Heilige im Alltag oder vom Swing der Dinge

Zeit für Gott

Über den Heiligen Geist

Die guten Gaben des heiligen Nikolaus

Das Blut der heiligen Anastasia

Die heilige Therese von Avila und die mysthische Erfahrung

Heilige und Namenspatrone

Der Frevel am Altar der heiligen Klara

Heilige in Köln

Hildegard von Bingen

Wolfgang Huber

Über Himmel und Erde

Und ich sah einen neuen Himmel

O Himmel hilf

Mehr als Ja und Amen

Der Jakobsweg

Leo Lindner: Jesus

Hans Küng: Jesus (13x angeschafft)

Notker Wolf: Jesus

Nicholas Wright: Jesus

Jesus in Ägypten

Das Beten Jesu

Dem Licht Christi folgen

Die Verkündigung Jesu – Ereignis und Erinnerung

Jesus von Nazaret und die Anfänge des Christentums

Jesus von Nazaret

Der Mystiker aus Nazaret

Prolog – die Kindheitsgeschichten (13x angeschafft)

Maria

Jetzt ist Zeit für den Wandel

Judentum-Christentum-Islam

Jugendgottesdienste

Der Kanon des Neuen Testaments

Die kirchliche Krise des Spätmittelalters

Lebensraum Jugendkirche

Vinzenz Pallotti – ein leidenschaftliches Leben

Crashkurs Liturgie

Luther. Die Drohung

Martin Luther

Martin Luther King, jr

Meditation eines Einsiedlers

Mensch Gottes

Mission Neuevangelisierung

Was ist Neuevangelisierung?

Antonius von Padua

Pater Pio hat geholfen

Die Pfeiler des Glaubens

Simon Biallowons: Franziskus, der neue Papst

Andreas Englisch: Zeichen der Hoffnung – Das Erbe Benedikts XVI. und die Schicksalswahl des neuen Papstes

Stefan Kempis: Papst Franziskus

Sergio Rubin: Papst Franziskus

Pius der XII.

Benedikts Vermächtnis und Franziskus´ Auftrag

Danke Benedikt

Die Päpste

Die Konzilien und der Papst

Paul VI.

Paulus: Wie der Christenverfolger die Liebe entdeckte

Predigten zum Johannesevangelium

Das Ruhegebet einüben

Schätze christlicher Spiritualität

Spiritualität aus der Bibel

Sehnsucht nach dem Unendlichen

Seien Sie unbesorgt (5x angeschafft)

Sonderheft Bistum Würzburg: Aufsätze

Steh auf, nimm dein Bett und geh nach Hause

Tod und Ewigkeit

Theologische ABC

Der Teufel

Bildnisse des Teufels

Die sieben Tugenden oder: Weisen, mit sich eins zu werden

Die sieben Sakramente

Vatikan (Kunstführer)

Vergiss das Beste nicht

Was bleibt

Das große Werkbuch Advent und Weihnachten: Neue Ideen und Modelle für Gottesdienst und Gemeinde

Die Weisheit der Bibel entdecken: 52 Andachten

Wer´s glaubt wird selig! Redewendungen aus der Bibel

Wider den Luxus der Hoffnungslosigkeit

Wie ein Gebet sei mein Leben

Wir in Kahlenbeck

Wir müssen anders leben

Womit habe ich das verdient?

Die Wunden der Schöpfung heilen

Bis das der Tod euch scheidet?

Tot in die Kirche?

Der letzte Titel ist zukunftsweisend. Es geht um die Umwidmung von Kirchen, die nicht mehr gebraucht werden.

Die Fülle dieser eindeutig die christliche Religion bevorzugenden Bücher gegenüber der praktisch zu vernachlässigenden Anzahl religions- und kirchenkritischer Bücher ist für mich ein klares Zeichen, dass sich die Stadtbücherei als verlängerter Arm der Kirche versteht. Das ist aber doch nicht ihre Aufgabe. Nach meinem Verständnis des Auftrags einer Stadtbücherei ist es ihre Aufgabe, der Bildung und Aufklärung entsprechend dem aktuellen Wissens- und Diskussionsstand in der Gesellschaft zu dienen. In ihrem Bücherbestand sollte sich daher die ganze Breite unseres Wissens und der sich daraus ergebenden gesellschaftlichen Entwicklungen wiederspiegeln, zumindest in ihren relevanten Aspekten. Diese Breite und Ausgewogenheit sehe in Ihrer Anschaffungspolitik eklatant und – wie ich meine – vorsätzlich missachtet.

Ich bitte die Stadt, aus meiner berechtigten Beschwerde Konsequenzen zu ziehen.

Es kann so nicht weitergehen. Die Stadtbücherei ist eine wichtige Einrichtung aller Bürger und nicht der katholischen Kirche.

Anregungen

(Es würde mich sehr wundern, wenn es zu diesem Teil noch käme. Vermutlich wird man mich schon im Beschwerdeteil ausbremsen.)

Die Stadt sollte einmal gründlich über ihr Verhältnis zu den Kirchen nachdenken

und im Sinne von Artikel 137 (1) der Weimarer Verfassung eine Trennung von Stadt und Kirche sowie von allen anderen Religionsgemeinschaften anstreben. Niemand sollte wegen seiner Weltanschauung von der Stadt bevorzugt oder benachteiligt werden. Es gilt den soziologischen Wandel seit dem Ende des 2. Weltkriegs zu realisieren und daraus Konsequenzen zu ziehen. Aufklärungsschriften wie die von mir vorgeschlagenen könnten dabei hilfreich sein.

In Düsseldorf gehörten im Jahr 1933 nur 7% der Einwohner keiner der beiden großen Kirchen an; im Jahr 2010 waren es schon 48%. Dieser Trend zur Säkularisierung wird sich fortsetzen. Hinzu kommt eine schon stark fortgeschrittene Erosion des Glaubens bei den noch verbliebenen Mitgliedern, s. www.reimbibel.de/statistik.htm . Im Kontrast dazu hat die gesellschaftliche Macht der beiden vom Staat hoch subventionierten und privilegierten Kirchen stark zugenommen. Dies geht oft  einher mit einer Diskriminierung der nicht-christlichen Bürger und Bürgerinnen. Besonders in NRW hat ein großer Teil der sozialen Einrichtungen einen kirchlichen Träger. Dieser bietet seine Stellen nur in Ausnahmefällen auch Juden, Muslimen, Buddhisten, Hindus und „Atheisten“ an. Die kirchlichen Kindergärten, Kitas und Schulen bevorzugen Kinder von Kirchenmitgliedern, obwohl die Kirchen nichts oder nur wenig zu den laufenden Kosten beitragen.

Erschwerend kommt aus meiner Sicht hinzu, dass sich in der Öffentlichkeit mit Unterstützung der überwiegend kirchennahen Massenmedien ein christlicher Chauvinismus breit gemacht hat. Dabei wird ignoriert, dass Demokratie und Menschenrechte (wie Religionsfreiheit, Meinungsfreiheit, Pressefreiheit, Freiheit der Kunst, Gleichberechtigung und weitere Menschenrechte) gegen den Widerstand der Kirche(n) durchgesetzt werden mussten. Viele Christen halten sich weiterhin für die besseren Menschen und tun so, als seien der vernünftige Teil der Zehn Gebote (nicht töten, stehlen, lügen) und die Nächstenliebe erstmals vom Judentum bzw. vom Christentum eingeführt worden. Diese Selbstbeweihräucherung und das vage Gerede von den „christlichen Werten“ setzt indirekt Nicht-Christen, vor allem sog. Atheisten und Agnostiker, herab. Es wird suggeriert, das Christentum oder zumindest der Glaube an einen Gott sei für eine humane Gesellschaft „alternativlos“. Noch ärgerlicher und für ein friedliches Zusammenleben in einer pluralistischen Gesellschaft kontraproduktiv ist, dass prominente Christen immer wieder „Atheisten“ als ethisch minderwertig oder sogar tendenziell verbrecherisch diffamieren: s. www.reimbibel.de/HETZE.htm

Dass dabei aus dem Glashaus heraus mit Steinen geworfen wird, und bisher keine Organisation so viel Leid angerichtet hat wie die Kirchen, soll hier nur kurz skizziert werden:

– In ihrer fast zweitausendjährigen Geschichte hat die Religion der Liebe eindrucksvoll unter Beweis gestellt hat, zu welch fürchterlichen Verbrechen sie unter Berufung auf Gott und die Bibel fähig ist, s. Karlheinz Deschner, Kriminalgeschichte des Christentums in 10 Bänden: http://www.deschner.info/ oder meine kurze Liste von Höhe- bzw. Tiefpunkten dieser Kriminalgeschichte: www.reimbibel.de/KG.htm .

– Die Vorgängerpartei der CDU, das katholische Zentrum, hat gemeinsam mit der NSDAP 1933 die Demokratie abgeschafft;

– Die meisten deutschen Bischöfe haben Hitler hofiert und dessen Kriegspolitik („Gott mit uns“, „alle Obrigkeit kommt von Gott“) unterstützt;

der Bischof von Münster, Clemens August Graf von Galen, war ein Kriegshetzer, s. www.reimbibel.de/Kirche-im-Dritten-Reich.htm .

– Die deutschen Bischöfe haben gegen die Verfolgung und Ermordung jüdischer Bürger wenig unternommen; die evangelische Kirche war den Nazis bei der Identifizierung von Juden behilflich;

– Nach dem Krieg sind etwa 600.000 Kinder und Jugendliche in kirchlichen Heimen durch Zwangsarbeit ausgebeutet, um den Schulunterricht gebracht, psychisch terrorisiert, systematisch geprügelt und häufig auch sexuell belästigt oder sogar vergewaltigt worden.

– Weder die Verbrechen an Heimkindern noch die Sexualverbrechen in sonstigen kirchlichen Einrichtungen sind bisher angemessen aufgearbeitet worden; das leider vom Bundestag geehrte ehemalige Oberhaupt eines absolutistisch regierten Zwergstaats, Dr. Joseph Ratzinger, hat bei der weltweiten Vertuschung sexueller Übergriffe durch katholische Priester eine zentrale Rolle gespielt: www.reimbibel.de/ratz.htm

Für ein friedliches Zusammenleben in Düsseldorf wäre es besser, wenn unsere Kinder sich in Kindergärten und Schulen gemeinsam mit religiösen Überzeugungen und Bräuchen beschäftigen würden und nicht wegen der unterschiedlichen Weltanschauungen ihrer Eltern separiert – und potentiell gegeneinander in Stellung gebracht – würden. Das würde außerdem Kindern und Eltern Zeit (kürzere Wege zu den Einrichtungen) und uns allen Kosten sparen sowie die Besetzung von Stellen erleichtern. Das Recht der Eltern, ihre Kinder nach Belieben religiös zu indoktrinieren, bleibt davon ja unberührt. Für geradezu absurd halte ich, dass es für Kinder sogar separate Immobilien und Unterrichte in Abhängigkeit u.a. davon gibt, welche Einstellung deren Eltern (vermutlich) hinsichtlich des Papstes sowie des Abendmahls und der „Wandlung von Brot und Wein“ durch Menschen mit Menstruationshintergrund haben.

Religionen trennen, spalten, weil „die Wahrheit“ sie verwalten, sich für überlegen halten. Doch um Zukunft zu gestalten, hilft uns nicht das Händefalten. Wir verbessern den Planeten nicht, indem wir für ihn beten.