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Liebe in der Bibel

1. Vorbemerkungen

Allgemeine Verwendung des Begriffs „Liebe“

Liebe ist laut Wikipedia eine „Bezeichnung für stärkste Zuneigung und Wertschätzung“. Sie ist eine Einstellung, ein Gefühl und die psychische Grundlage für entsprechendes Verhalten. Liebe kann, aber muss nicht in jedem Fall erwidert werden. Geliebt werden können nicht nur einzelne noch lebende oder schon verstorbene, persönlich bekannte oder z.B. berühmte Menschen, sondern auch Gruppen von Personen, politische Parteien, Institutionen, sogar Staaten oder die Heimat, Tiere, die Natur, das Leben, Kunstwerke, Sprachen, Speisen, Getränke, Berufe, Hobbys, geistige Vorstellungen und Götter.

Eine erstaunlich schöne und treffende Definition der wahren (idealen) Liebe zu einem Menschen hat vor knapp 2000 Jahren ausgerechnet der lustfeindliche Apostel Paulus formuliert (1 Korinther 13). Im zweiten Teil meiner kleinen Reimbibel habe ich das (zu) kurz so zusammengefasst: „Die Liebe glaubet, hoffet, duldet und niemand dafür Lohn ihr schuldet.“ Die „wahre Liebe“ zielt nicht auf Gegenleistungen nach dem Prinzip „Ich gebe, damit Du gibst“ (do ut des, quid pro quo). In den Niederungen des wirklichen Lebens vermischen sich aber regelmäßig altruistische und egoistische Motive. Auch die romantische Liebe hat einen eigennützigen Anteil.

Ethische Normen in der Bronzezeit

Hochstehende ethische Normen sind keine „Erfindung“ des Christentums, sondern – wie die folgenden Beispiele zeigen – ein universelles Erbe der Menschheit. Sie sind das – sich weiterhin wandelnde – Ergebnis einer kulturellen Evolution.

Sumerer (ca. 2400-1700)

„Ihren eigenen Aussagen nach schätzten die Sumerer Güte und Wahrheitsliebe, Gesetz und Ordnung, Freiheit und Gerechtigkeit, Ehrlichkeit und Aufrichtigkeit, Mitleid und Anteilnahme. Sie verabscheuten Bosheit und Lügenhaftigkeit, Gesetzlosigkeit und Unordnung, Ungerechtigkeit und Unterdrückung, Unredlichkeit und Unaufrichtigkeit, Grausamkeit und Unbarmherzigkeit.“ (Samuel Noah Kramer: Geschichte beginnt mit Sumer. 1959, 86f) Dank an hpd.de.

Gilgamesch-Epos (2100–600)

„Utnapischtim belehrt seine Kinder: Deinem Feinde vergilt nicht Böses, dem, der dir Böses zufügt, vergilt Gutes! Deinem Feinde lass Gerechtigkeit widerfahren; Gib Speise zu essen und Trank zu trinken.“ (Quelle: Weisheiten der Völker, Parkland Verlag, Dank an hpd.de)

Babylonier (ca. 2000-1100)

„Ethische Normen der Babylonier belegen, dass Güte und Wahrheit, Gesetz und Ordnung, Gerechtigkeit und Freiheit, Weisheit und Wissenserwerb, Mut und Treue zu den Eckpfeilern der sozialen und moralischen Vorstellungen des Volkes gehörten. Auch kannten die Babylonier Barmherzigkeit und Mitgefühl. Sie gewährten Witwen und Waisen, Flüchtlingen, Armen und Unterdrückten besonderen Schutz.“ https://hpd.de/node/10535

2. Verschiedene Erscheinungsformen der Liebe

Feindesliebe (AT)
„Wenn Du dem verirrten Rind oder dem Esel Deines Feindes begegnest, sollst Du ihm das Tier zurückbringen. Wenn Du siehst, wie der Esel deines Gegners unter der Last zusammenbricht, dann lass ihn nicht in Stich, sondern leiste ihm Hilfe!“ (2 Mose 23, 4-5)

„Hat dein Feind Hunger, gib ihm zu essen, hat er Durst, gib ihm zu trinken; so sammelst du glühende Kohlen auf sein Haupt und der Herr wird es dir vergelten.“ Sprichwörter, 25, 21-22)

Feindesliebe (NT)
„Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebet eure Feinde, segnet, die euch verfluchen, tut Gutes denen, die euch hassen, bittet für die, die euch beleidigen und verfolgen, damit ihr Söhne eures Vaters im Himmel werdet;“ (Matt 5, 43-45)

„Euch, die ihr mir zuhört, sage ich: Liebt eure Feinde; tut denen Gutes, die euch hassen. Segnet die, die euch verfluchen; betet für die, die euch misshandeln. Dem, der dich auf die eine Wange schlägt, halt auch die andere hin, und dem, der dir den Mantel wegnimmt, lass auch das Hemd.“ (Luk 6, 27-29)

Vermutlich wäre es gut gewesen, wenn die polnische Armee sich 1939 sofort der weit überlegenen deutschen Wehrmacht ergeben hätte. Aber wozu wäre es gut gewesen, wenn die Polen die Soldaten und die SS-Männer liebevoll behandelt hätten? Hätte Anne Frank besonders freundlich zu denen sein sollen, die sie verschleppt und gefangen gehalten haben? Sollten alle Ukrainer Putin lieben? Sollte eine Mutter den Mörder ihres Kindes lieben? Muss sie ihm zumindest verzeihen? Ich glaube, seinen Feind zu lieben, ist nicht sehr klug und übertrieben. Es gibt bessere Methoden, um auf ein friedliches Zusammenleben innerhalb der Völker und zwischen den Nationen hinzuwirken.

Die Geschichte der Menschheit ist voller Rassismus und Brutalität. Nicht nur Feinde, sondern sogar weit entfernt lebende und nicht feindlich gesinnte Menschen wurden in großer Zahl z.B. von gläubigen Christen und Muslimen überfallen, bestohlen, ausgebeutet, ermordet oder versklavt. Von der Bibel und den Kirchen sind eher Impulse ausgegangen, solche Verbrechen zu begehen als die Menschenwürde anderer zu achten. Siehe z.B. https://reimbibel.de/KG.htm . Und der biblische Appell, seinen Feind zu lieben, hat anscheinend selten etwas bewirkt. Auch der Anführer der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill, scheint mehr der „Vaterlandsliebe“ als der Feindesliebe zugeneigt zu sein. Jedenfalls wurde bisher nichts darüber bekannt, dass er versucht hat, seinen Freund Putin von einem Einmarsch in die Ukraine (deren Kirche sich abgespalten hatte) abzuhalten: https://reimbibel.de/kyrill .

Gottes Bedürfnis, geliebt zu werden (AT)
Der Bibel ist eher nicht zu entnehmen, dass Gott geliebt werden will, weil er so gütig ist. Mose fordert sein Volk nicht zu Liebesbezeugungen auf, wie sie gegenüber Menschen üblich sind, sondern stellt Gott als jemand dar, den man fürchten und dem man gehorchen soll. Liebe zu Gott ist eine heilige Pflicht, die z.B. mit der Einzigartigkeit Gottes begründet wird: „Höre Israel! Jahwe, unser Gott, Jahwe ist einzig. Darum sollst Du den Herrn, Deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen, mit ganzer Seele und mit ganzer Kraft.“ (5 Mose 6, 4-5) Laut Hosea will Gott nicht Schlachtopfer, sondern Liebe (Hosea 6, 6). Dies steht jedoch im Widerspruch zu vielen Kapiteln im AT, in denen Gott Tieropfer fordert.

Gottes Bedürfnis, geliebt zu werden (NT)
Auf die Frage nach dem ersten Gebot hat Jesus laut Markus (12, 29-30) ein von Mose übermitteltes Gebot aus dem AT übernommen und geantwortet: „Das erste ist: Höre, Israel, der Herr, unser Gott, ist der einzige Herr. Darum sollst du den Herrn, deinen Gott, lieben mit ganzem Herzen und ganzer Seele, mit all deinen Gedanken und all deiner Kraft.“ Was Jesus oder dem, der ihm diese Worte in den Mund gelegt hat, nicht klar war: Es ist vollkommen widersinnig, Liebe zu befehlen. Echte Liebe entwickelt sich aus reinem Herzen oder eben nicht. Man kann nicht auf Kommando lieben.

Der unbekannte Verfasser der Johannes-Briefe verlangt sogar: „Liebt nicht die Welt und was in der Welt ist! Wer die Welt liebt, hat die Liebe zum Vater nicht.“ (1 Joh 2, 15) Mit dieser perversen Forderung stellt er sich sogar gegen das Gebot der Nächstenliebe.

Hiob (AT)
Auch in diesem literarisch hervorragenden Text zeigt sich Gott von seiner besonders widerlichen Seite. Es reicht ihm nicht, dass sich der rechtschaffene Hiob an die göttlichen Regeln hält, sondern er möchte Hiob zusätzlich dazu bringen, dass er ihm auch dann noch vertraut und ihn klaglos verehrt, wenn er furchtbar gequält wird. Nachdem sich Hiob endlich total Gott unterwirft und diesen nicht mehr anklagt, zeigt Gott seine „Liebe“, indem er Hiob reichlich belohnt. Dieser – angeblich später angehängte – Schluss des Buchs ist ausgesprochen widerlich, da Gott blinden Gehorsam und totale Unterwerfung verlangt und durch Anwendung von Gewalt auch bekommt.

Hohelied Salomos (AT)
Es handelt sich hier um einen wunderschönen erotischen Text, der vermutlich aus älteren Gedichten des Orients zusammengesetzt wurde.  Ich habe ihn in Form von Versen nacherzählt: https://reimbibel.de/HL.htm . Zwei Liebende rühmen die Schönheit des/der Geliebten und sehnen sich nach ihm/ihr. Theologen sahen darin lange Zeit eine poetische Darstellung der Liebe Jahwes zu seinem Volk bzw. der Liebe Jesu zu seinen Anhängern. Theolügie vom Feinsten.

Die Liebe Gottes zu den Menschen (AT)
„Der Gott des Alten Testaments ist ein Gott der Liebe, der Treue und der unaufhörlichen Barmherzigkeit.“
https://www.katholisch.de/artikel/28796-der-gott-des-alten-testaments-ein-gott-der-liebe
Ähnliche Aussagen findet man tausendfach in den Schriften prominenter Christen wie z.B. in Joseph Ratzingers Enzyklika „Deus Caritas est“. Im AT beschränkt Gott seine Liebe weitgehend auf seine Israeliten, die er auf Kosten von Völkern, die vertrieben oder umgebracht werden, privilegiert. Ansonsten ist von einer Liebe Gottes zu den Menschen im AT wenig zu spüren. Denn meist droht und mordet er hinter seiner Schöpfung her.

Die Liebe Gottes zu den Menschen (NT)
Laut kirchlicher Lehre zeichnet sich Gott durch seine Allmacht, Allwissenheit, Güte und Barmherzigkeit aus. Häufig zieht sich der Klerus auf die gern gehörte Behauptung zurück, Gott sei die Liebe. Diese These kann sich auf den 1. Brief des Johannes stützen: „Wer nicht liebt, hat Gott nicht erkannt; denn Gott ist die Liebe. … „Gott ist die Liebe, und wer in der Liebe bleibt, bleibt in Gott, und Gott bleibt in ihm.“ (1 Joh 4, 8, 16b) Als Beweis für die Liebe Gottes zu den Menschen, gilt den Kirchen vor allem der Opfertod Jesu: „Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat.“ (Joh 3, 16) „Nicht darin besteht die Liebe, dass wir Gott geliebt haben, sondern dass er uns geliebt und seinen Sohn als Sühne für unsere Sünden gesandt hat.“ (1 Joh. 10)

Die perverse Vorstellung einer Erlösung der Menschheit durch ein Menschenopfer (bei diesem Quasisuizid den Herren wohl der Teufel ritt) gibt es ansatzweise schon im AT in Gestalt des Gottesknechts (Jesaja 52f). Indem Gott seinen Sohn von Römern foltern und töten lässt, will er die Menschen vor seiner Rache schützen. Diese „Liebe“ steht in krassem Widerspruch zu dem, was man vernünftigerweise unter Liebe verstehen kann. Das erste Problem bei diesem religiösen Unsinn ist, dass nach christlicher Lehre Gott nicht in der Lage war, Menschen zu erschaffen, die so sind, wie er es möchte. Das zweite Problem ist, dass Gott dann nicht willens oder fähig war, diesen Konstruktionsfehler zu beheben oder eine perfekte Neuauflage der Menschheit zu erschaffen. Das dritte ist, dass der Nutzen dieses fürchterlichen Opfers bis heute nicht zu erkennen ist. Wie pervers diese Liebe Gottes ist, zeigt sich auch darin, dass der Sohn angeblich von seinem Vater zum Scharfrichter bestimmt wurde. Was dieser am angedrohten Tag des Jüngsten Gerichts zu tun hat, schildert – literarisch grandios – die Offenbarung des Johannes. Dass Gott ausschließlich die liebt, die ihm gehorchen, zeigen auch die Höllendrohungen seines Sohns: https://reimbibel.de/jesus-droht-mit-der-hoelle/ . (Über einen Besuch der Heiligen Dreieinigkeit (Dreifaltigekit) in der Hölle habe ich hier berichtet: https://reimbibel.de/christi-hoellenfahrt/ ).

Liebe Gottes zu seinem Sohn (NT)
In Anbetracht der historisch späten und von niemand zu verstehenden theologischen Konstruktion der Heiligen Dreifaltigkeit scheint es sich bei der Liebe Gottes zu seinem Sohn Jesus, an dem er Wohlgefallen hat, um eine masochistische Form der Selbstliebe zu handeln.

Liebe Gottes zu seinem Volk (AT)
In der Bibel ist mehrfach zu lesen, Gott würde sein Volk Israel lieben, das er aus Ägypten geführt habe: https://bible.knowing-jesus.com/Deutsch/topics/Gottes-Liebe-Zu-Israel . Dabei wird nicht erwähnt, dass es laut Bibel (1 Mose 15, 13) Gott selbst war, der zunächst seine Hebräer mit 400 Jahren Gefangenschaft in Ägypten bestraft hat. Warum Gott die Hebräer nun auserwählt, um sie zu einem großen und von ihm geliebten Volk zu machen, verrät die Bibel nicht. Gott versucht, die Liebe seines Volkes durch Gewaltandrohung und Gewaltanwendung zu erzwingen. Zunächst verspricht und gibt Gott seinem Volk „große und schöne Städte, die du nicht gebaut hast, und Häuser voller Güter, die du nicht gefüllt hast, und ausgehauene Brunnen, die du nicht ausgehauen hast, und Weinberge und Ölbäume, die du nicht gepflanzt hast“. (5 Mose 6, 10f) Diese Liebe Gottes zu seinem Volk ist eine kriminelle Unterform der sog. kaufmännische Liebe: Ich gebe, damit du gibst. Während aber kaufmännische Beziehungen meist freiwillig eingegangen werden, zwingt Gott sein Volk zu einem verharmlosend „Bund“ genannten Vertrag, bei dem er in Vorleistung geht und Gegenleistungen in Form von Opfern, Verehrung und Wohlverhalten erwartet. Werden diese Gegenleistungen nicht (mehr) erbracht, gibt es zunächst „Abmahnungen“ und wenn diese nicht fruchten, Bestrafungen bis hin zum Genozid.

Wenn man das AT für im Kern wahr hält, muss man zu dem Schluss kommen, dass Gottes auserwähltes Volk immer wieder seine Pflichten nicht erfüllt hat und deshalb – im wirklichen Leben am schlimmsten durch die Nazis – bestraft wurde. Gottes „Liebe“ schlägt in Zorn um, sobald nicht er selbst, sondern andere Götter verehrt werden. Dann wird der „liebe“ Gott zum Massenmörder, der sogar Kinder umbringt oder umbringen lässt. Falls es so etwas wie Gottes Liebe gibt, ist diese also davon abhängig, dass Gott vorschriftsgemäß verehrt wird. Die Thora (Bücher Moses) enthält 246 Gebote und 365 Verbote, die hier aufgelistet sind: https://www.staybiblical.com/de/613-gebote-der-tora/ . Allein schon die vielen kleinlichen Ess- und Opfervorschriften lassen Zweifel daran aufkommen, dass dieser Gott noch alle Oblaten im Schrank hat. Außerdem bleibt es Gottes Geheimnis, warum er sich lange Zeit nur einem bestimmten Volk offenbart hat und dies auf Kosten anderer Völker beschenkt. Dass Gott „die Völker“ liebt, hat jedoch Mose angeblich kurz vor seinem Tod behauptet: „Der du die Völker liebst“ (5 Mose 33, 3). Im Widerspruch dazu und in Übereinstimmung mit dem, was das AT ansonsten berichtet, heißt es im 1. Brief des Johannes aber ganz klar: „Und jeder Geist, der Jesus nicht bekennt ist nicht aus Gott. Das ist der Geist des Antichrists, über den ihr gehört habt, dass er kommt. Jetzt ist er schon in der Welt.“ Danach kann Gott nur die christlichen Völker lieben. (Wenn sich diese dann gegenseitig bekriegen, muss er nach biblischer „Logik“ sich dann für die künftigen Sieger entscheiden oder hilflos zusehen.

Nächstenliebe aus biologischer Sicht
Es ist anzunehmen, dass auch die menschliche Nächstenliebe nicht vom Himmel gefallen ist, sondern sich nach und nach im Tierreich entwickelt hat. Zum Beispiel zeigt das Balz- und Brutpflegeverhalten von Fischen, Vögeln und Säugetieren offensichtliche Parallelen zum menschlichen Verhalten. Dieses hat immer eine biologische Basis, wird aber auch sehr stark von psychologischen und sozialen Einflüssen bestimmt. Dabei sorgen die – von Natur aus „egoistischen“ – Gene dafür, dass auch scheinbar selbstloses Verhalten letztlich der Weitergabe der eigenen Gene dient.

Nächstenliebe (AT und NT)
„Als Nächstenliebe wird ein helfendes Handeln für andere Menschen bezeichnet. Diese Form der Liebe beinhaltet jede dem Wohl des Mitmenschen zugewandte aktive, uneigennützige Gefühls-, Willens- und Tathandlung, nicht unbedingt eine emotionale Sympathie. Der „Nächste“ kann jeder Mensch in einer konkreten Notlage sein, der einem begegnet.“ (Wikipedia)

Die Nächstenliebe in ihrer „reinen“ Form entsteht von selbst. Sogenannte Spiegelneurone und das Hormon „Oxytozin“ gehören zur biologischen Basis dieses Phänomens. Wenn man den Begriff – wie oben – weiter fasst, kann Nächstenliebe aber auch durch nachdrückliche Appelle und Gesetze angeordnet werden. Solche Gesetze gab es schon in der Bronzezeit und stehen heute u.a. im BGB und im StGB. Zum Beispiel ist der Vater eines Kindes verpflichtet, zum Unterhalt des Kindes beizutragen.

Das Gebot der Nächstenliebe wurde schon im AT verkündet: „Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (3. Buch Mose 19, 18) Wer das AT nicht gut kennt, hält dies Gebot für ein Gebot Jesu: „Als zweites kommt hinzu: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (Mark 12,31) Seinen Aufrufen zur Nächstenliebe verleiht Jesus durch Drohungen mit der Hölle Nachdruck: https://reimbibel.de/unsympathisches-von-jesus/ .

Zur Rechtfertigung ihrer Existenz tun viele Kirchenvertreter so, als gäbe es ohne das Christentum keine Nächstenliebe. Das ist natürlich Unsinn.

Selbstliebe (AT und NT)
„Ebenso wichtig ist das zweite: Du sollst deinen Nächsten lieben wie dich selbst.“ (3 Mose 19, 18b; Matt 22, 39) Dass erwachsene Menschen insofern für sich selbst sorgen müssen, dass sie nicht verdursten, verhungern, erfrieren oder von Raubtieren gefressen werden, ist trivial. Aber sollen sie sich auch selbst bewundern und verehren? Man sollte sich – mit kleinen Pausen – Mühe geben und weder von sich selbst noch von anderen zu viel erwarten. Und sich lieber selbstkritisch als selbstverliebt über die Schulter sehen. Oder zumindest so tun:
Geschickt lenkt man so alle ab, von dem, was man verbrochen hat: So kommt es denn zuletzt heraus, daß ich ein ganz famoses Haus.“ (Wilhelm Busch, 1832-1908)

Im Grunde gibt es in Hinblick auf die eigene Existenz nur zwei vernünftige Möglichkeiten: Man gibt sich Mühe, oder man bringt sich um. Gegen die zweite Möglichkeit spricht (außer „technischen“ Schwierigkeiten und Mangel an professioneller Unterstützung, s. https:// 217stgb.com ) häufig, dass man dadurch großes Leid über andere Menschen bringt. Ansonsten gilt:
Das Leben ist ein Backenzahn, es hat oft eine Zackenbahn.
Für den, der ganz tief unten steht, es manchmal wieder aufwärts geht.

Sexualität (AT)
Während Griechen und Römer Götter und Göttinnen der Liebe verehrten (Aphrodite, Eros, Venus, Amor) steht in der Bibel die Fortpflanzung im Vordergrund. Ein Mann, der einen Ehebruch begeht, soll aus dem Volk ausgemerzt werden (3 Mose, 18, 20 u. 29). Analverkehr unter Männern soll mit dem Tod bestraft werden (3 Mose 20, 13). Zahlreiche weitere Verbote.

Sexualität (NT)
Gott scheint viele menschliche, aber keine sexuellen Bedürfnisse zu haben. Der sog. Heilige Geist verhilft aber Maria durch sein Wirken dazu, dass sie schwanger wird (Matt 1, 18): „Der Heilige Geist wird über dich kommen und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten.“ (Luk 1, 35)

Hatte Jesus Sex? Dazu Johanna Klee (ab sofort meine Lieblingspastorin): „Ich glaube, es ist ganz gut, dass wir nichts Genaues über Jesu Sexualität sagen können. So kann jede und jeder sich ein eigenes Bild machen.“ https://fragen.evangelisch.de/frage/8033/war-jesus-schwul

Paulus möchte eigentlich, dass Priester enthaltsam leben, gestattet aber Ausnahmen bei zu starkem Sexualtrieb. Damit zeigt er sich vernünftiger und menschlicher als die heutigen rk Kirchenführer. (Korinther 7, 19) Bischöfe sollen heiraten und Kinder zeugen. (Timotheus 3, 1-10, Titus 1 (5-11) Homosexualität ist laut Paulus eine Strafe Gottes für Gottlosigkeit. Lesben und Schwule hätten den Tod verdient (Römer, 1). Die „widernatürliche Unzucht“ von Personen männlichen Geschlechts war ab 1871 durch § 175 strafbar. In der zunächst sehr frommen BRD wurde dies Gesetz erst 1994 ganz abgeschafft.

Sexualität (rk Kirche)
Erlaubt ist nur ehelicher Sex, der auf Fortpflanzung zielt. Die rk Kirche verurteilt Homosexualität, außerehelichen Sex und Masturbation. Da Priester nicht heiraten dürfen, sind sie verpflichtet, vollständig auf Sex zu verzichten. Wie sie das schaffen, weiß nur Gott allein. Ein Ende des Pflicht-Zölibats werden die heutigen Priester wohl nicht mehr erleben, aber vielleicht deren Kinder. Vermutlich gibt es weltweit zigtausende von Priesterkindern. Und natürlich zeigt sich die Verlogenheit der rk Kirche auch im Umgang mit diesen Kindern und deren unglücklichen Müttern. Hier zwei Beispiele: https://www.youtube.com/watch?v=vkmPCYffXhs , https://www.youtube.com/watch?v=K1At7OZH_eQ .

Tierliebe (AT)
Tiere sollen nicht als Schöpfungen Gottes geliebt, sondern genutzt werden. Um Nutztiere anderer Besitzer soll man sich kümmern, wenn sonst Gefahr droht, dass diese ihr Eigentum verlieren. Menschen „sollen herrschen über die Fische des Meeres, die Vögel des Himmels, über das Vieh, über die ganze Erde und über alle Kriechtiere auf dem Land.“ (1 Mose, 1, 26b) Tiere sollen dem Menschen als Nahrung und mit ihren Fellen als Kleidung dienen. Es gibt lange Listen von reinen, d.h. essbaren, und unreinen Tieren wie z.B. Schweinen und Flügeltieren mit vier Beinen. (3 Mose 11, 5 Mose 14) Warum Gott auch unreine Tiere erschaffen hat, bleibt unklar. „Wenn … du, weil du Appetit auf Fleisch hast, sagst: Ich möchte gern Fleisch essen, dann darfst Du so viel Fleisch essen, wie du möchtest.“ (5 Mose 12, 20) Bestimmte als Nahrung geeignete Tiere wie Rinder, Ziegen und Schafe sollen – oft in großer Zahl – Gott geopfert werden. Dieser liebt den süßlichen Rauch von Brandopfern. (4 Mose 28) Gelegentlich werden ihm aber die Opfer zu viel: „Was soll ich mit euren vielen Schlachtopfern?, spricht der Herr. Die Widder, die ihr als Schlachtopfer verbrennt, und das Fett eurer Rinder habe ich satt; das Blut der Stiere und Lämmer und Böcke ist mir zuwider. … Bringt mir nicht länger sinnlose Gaben, Rauchopfer, die mir ein Gräuel sind.“ (Jesaja, 1, 11-13) Der Herr hat so seine Launen, neigt aber anscheinend nicht zur Tierliebe. Milliarden von Tieren erleiden seit Millionen von Jahren einen fürchterlichen Tod durch Krankheiten, Raubtiere, Parasiten, Hunger, Wassermangel und Naturkatastrophen. Das scheint Gott nicht zu stören.

Wunderheilungen als Liebesbeweise? (NT)
Schon im Markus-Evangelium wird über viele wundersame Heilungen Kranker durch Jesus berichtet. Jesus betätigt sich als Exorzist und heilt durch verschiedene „Methoden“ u.a. Blinde, Stumme und Lahme. Das eigentliche Wunder ist aber, dass so viele Leichtgläubige diese unglaublichen Geschichten bis heute glauben. Meist wird Jesus um Heilungen gebeten. Von sich aus ist er an einer Verbesserung der gesundheitlichen Versorgung aller Menschen dieser Welt nicht interessiert, sondern setzt die Wunder ein, um sein Ansehen und seinen Einfluss zu vergrößern. Auch hierbei ist von Liebe wenig zu spüren.