Kritik am Christentum: d´Holbach

Paul-Henri Thiry d’Holbach (später Baron d’Holbach), getauft am 8. Dezember 1723 in Edesheim bei Landau – gestorben am 21. Januar 1789 in Paris) war ein Philosoph der französischen Aufklärung, der vor allem für seine religionskritischen und atheistischen Thesen bekannt ist.

Wenn ein Atheist richtig geurteilt und seine Natur zu Rate gezogen hat, so hat er Prinzipien, die zuverlässiger und immer menschlicher sind als die des Abergläubischen, der durch eine finstere oder schwärmerische Religion entweder zur Torheit oder zur Grausamkeit geführt wird. Niemals wird man die Einbildungskraft eines Atheisten so sehr vernebeln, daß man ihm glaubhaft macht, Gewalttätigkeiten, Ungerechtigkeiten, Verfolgungen, Morde seien tugendhafte oder rechtmäßige Handlungen. … Wem dient also der Glaube? Einzig und allein einigen Menschen, die sich des Glaubens bedienen, um die Menschheit zu unterjochen. … In der Vernunft und in unserer eigenen Natur werden wir Führer haben, die viel sicherer sind als jene Götter, denen die Geistlichkeit nach ihrem Gutdünken irgendwelche Worte in den Mund legt und deren Sprache sie je nach ihren Interessen auslegt. … Viele sittenlose Menschen haben die Religion angegriffen, weil sie ihren Neigungen zuwiderlief; viele Weise haben die Religion verachtet, weil sie ihnen lächerlich schien; viele Menschen haben sie für gleichgültig erachtet, weil sie ihre wirklichen Nachteile nicht bemerkt haben. Ich bekämpfe sie als Staatsbürger, weil sie mir für das Glück des Staates schädlich zu sein scheint, weil sie eine Feindin des Fortschritts des menschlichen Geistes ist, weil sie gegen eine gesunde Moral gerichtet ist, von der die Interessen der Politik niemals zu trennen sind. … Alle Kinder sind geborene Atheisten; sie haben keine Vorstellung von Gott. … Die sinnlose Lehre von einem künftigen Leben hindert die Menschen daran, sich mit ihrem wahren Glück zu befassen und auf die Vervollkommnung ihrer Institutionen, ihrer Gesetze, ihrer Moral und ihrer Kenntnisse bedacht zu sein. … Man braucht in der Tat nur die Augen zu öffnen, um zu bemerken, dass die Priester sehr gefährliche Menschen sind. Das Ziel, das sie sich setzen, besteht offenbar darin, die Geister zu beherrschen, um über die Körper derer, die sie mit den Waffen der Meinungsbildung unterjocht haben, zu verfügen. … Überall sind die hinterlistigen Diener der Religion offen oder insgeheim die Feinde der Vernunft gewesen, weil weil sie zurecht fürchten, dass die Vernunft ihren Absichten zuwiderläuft. … Religion ist die Wissenschaft des Betrugs, die Kunst, über schwache Geister mit leeren Worten zu herrschen. … Religion ist das heimtückischste Gift, das je erfunden wurde. Sie tötet nicht den Körper, sie tötet den Geist, sie zerstört nicht das Leben, sie zerstört das Bewusstsein. Und solange dieses Gift weiterhin fließt, sich als Glaube überträgt, wird die Menschheit niemals frei sein.