Analyse der Informations- und Aufgabenkarten
des LISUMs Berlin – Brandenburg zum Thema Christentum
Aufgrund der Tatsache, dass die von mir untersuchten Ethiklehrbücher
für die 9. und 10. Klasse nicht frei waren von Werbung für das Christentum,
habe ich mir nun die Informations- und Aufgabenkarten des LISUMs
Berlin-Brandenburg angeschaut.
Zusammenfassend ist zu sagen, dass diese Karten gerade den Schülern,
die bisher wenig über das Christentum wissen, einen guten Einblick verschaffen.
Der Umfang des Materials ist meiner Ansicht nach angemessen. Es ist jedoch
unübersehbar, dass man auch hier um eine einseitig positive Darstellung bemüht
war. Ich weise im Folgenden darauf hin, an welchen Stellen man zur Schaffung
eines realen Bildes auch hätte die andere Seite des Christentums mit behandeln
müssen.
Mir ist klar, dass jede Infokarte nur einen gewissen Umfang haben und
daher gewiss nicht alle meiner Ergänzungen enthalten kann. Ich hole trotzdem
gelegentlich etwas weiter aus, um die Legitimität meiner Einwände
verständlicher darzustellen. Auch schlage ich vor, zwei zusätzliche
Informationskarten einzufügen, die sich mit dem Antijudaismus im Christentum
und mit dem Verhältnis des Christentums / der Kirchen zu Nicht- und
Andersgläubigen auseinandersetzen.
Ich freue mich, wenn das LISUM die vorliegenden Unterrichtsmaterialien
aufgrund meiner Hinweise überarbeitet.
Beate Turner
Karte
– Die Ausbreitung des Christentums
Die
Existenz eines Jesus ist nicht wissenschaftlich bewiesen. Daher halte ich es
nicht für angemessen, die Informationskarte so zu beginnen: „Jesus hatte zu seinen
Lebzeiten …“ Man müsste schon eher so anfangen: „Nach der Aussage der Bibel
hatte Jesus …“ .
In diesem Abschnitt wird zunächst über
Christenverfolgungen in den ersten Jahrhunderten u.Z. bis hin zum beginnenden
4. Jahrhundert berichtet. Schließlich wird Kaiser Konstantin gefeiert, der 313
christliche Gemeinden „erlaubte“. Das nenne ich Banalisierung der Geschichte.
Der „gute“ Konstantin, der das arme Christenvolk erlöste und die „bösen“
Heiden, die Christen verfolgt haben. [1] – Wer dieses Thema anreißt, darf es so
nicht stehen lassen, sondern muss etwas mehr erklären. Warum gab es
Christenverfolgungen? Was versteht man darunter?
Die ersten Christenverfolgungen gab es
schon bei Paulus. Im Neuen Testament werden Andersdenkende bereits
verunglimpft, Christen anderen Glaubens als „Gottesfeind“ bezeichnet. [2]
Es gab anfangs kein einheitliches
Christentum. Jede Gruppe hielt sich für das eigentliche, wahre Christentum. Im
2. Jh. konstituierte sich zuerst die Kirche Markions und später die
altkatholische Kirche. Darin schlossen sich bisher voneinander unabhängige
Gemeinden zusammen und suchten Einigung über eine einheitliche Lehre. Sie
entschieden, wer als „rechtgläubig“ zu gelten hatte und wer nicht. Diese
Anschauungen, was rechtgläubig ist und was nicht, änderten sich immer
wieder. Naturgemäß gab es Christen, die
von der allgemeinen Lehre abwichen.
Diese wurden bald innerkirchlich als so genannte Häretiker verfolgt.
Bald gab es viele Abspaltungen. Bis Ende des 4. Jh. gab es nach der
Überlieferung 128 konkurrierende christliche Sekten. Abweichungen vom Glauben sind jedoch im
Christentum schlimmste Sünde. So gab es Christenverfolgungen innerhalb des
Christentums. Diese gingen meist von den Bischöfen, also den Menschen mit
Machtstellung in den Kirchen aus. [3] Die internen Christenverfolgungen endeten
nicht mit dem kaiserlichen Erlass von 313. Vielmehr gibt es sie heute noch.
Interne Christenverfolgungen nahmen und nehmen verschiedene Formen an – vom
Ausschluss aus der Kirche bis hin zur Todesstrafe.
Unter Christenverfolgung verstand und
versteht man aber auch Kritik am Christentum. Die erste Streitschrift gegen das
Christentum schrieb Celsus Ende des 2. Jh. Auch Porphyrios schrieb im 3. Jh.
Bücher, die sich kritisch mit dem Christentum auseinandersetzten. Er gilt als
ein Vorläufer rationalistischer Bibelkritik. [4]
Zu damaliger Zeit glaubten noch die
meisten Menschen an mehrere Götter. Diesen Menschen erschienen die Christen als
„gottlos“. Die Christen mieden oft das öffentliche Leben. Sie huldigten nicht
den römischen Göttern. Die Christen kritisierten die römische Religion. Sie
behaupteten, das römische Reich sei durch Verbrechen entstanden. Sie wollten
vor dem Jahr 314 auch keinen Kriegsdienst leisten. Christen haben einen
monotheistischen Gottesglauben und waren / sind der Meinung, sie hätten die
einzige Wahrheit und wären von einem einzigen Gott „auserkoren“. Außerdem ist das Christentum missionarisch.
Das stiftete Unruhe und gefährdete die öffentliche Ordnung. Als Christen verfolgende Kaiser gelten z.B. Kaiser
Decinus, Valerian, Galerius, Diokletian und Maximian. Decius wollte das Reich mit Hilfe der Götter
vor Angriffen von außen schützen und erließ deshalb ein allgemeines Opfergebot:
„Wer die Götter Roms nicht verehrt und dem allmächtigen Kaiser das
Opfer verweigert, ist des Religionsfrevels und des Majestätsverbrechens
schuldig.“ [5] Diese
Maßnahme richtete sich nicht nur gegen Christen, sondern gegen alle
Andersgläubigen. Die Christen fielen jedoch durch ihre demonstrativen
Opferverweigerungen auf und gerieten dadurch ins Zentrum der Aufmerksamkeit. Diokletian hatte zur Stabilisierung des
Römischen Reiches mit Erfolg die Tetrarchie eingeführt und danach konnte man
einen Glauben mit einem Ausschließlichkeitsanspruch wie das Christentum nicht
akzeptieren. 311 wurden Christen von Galerian mit einem Toleranzedikt „zum
ersten Mal in gewisser Weise gesetzlich anerkannt“. (Grant)
Christenverfolgungen der römischen Kaiser äußerten sich in unterschiedlicher
Weise und unterschiedlicher Härte, z.B. in Versammlungsverboten, Ämterverboten, Verbrennung christlicher
Schriften, Inhaftierungen und Hinrichtungen. Kaiser Valerian ging gezielt gegen
die Bischöfe vor.
Die Darstellungen in dem
Unterrichtsmaterial bezüglich des Kaisers Nero sollten noch einmal überprüft
werden. Ich bin keine Geschichtswissenschaftlerin, aber ich fand hier: http://www.humanist.de/geschichte/nero.html und hier: http://www.basiswissen-christentum.de/de/themen/christenverfolgung.html andere Darstellungen. Daneben ist das
Internet von christlichen Websites überschwemmt, die über eine
Christenverfolgung durch einen sowieso mordlustigen Kaiser Nero berichten. Ich
würde nicht Kaiser Nero als Ursache für die weiteren Christenverfolgungen
betrachten, sondern eher die nur unzureichende Unterordnung dieser Menschen
unter das System. Auch heute noch werden Sekten und Menschen, deren
Anschauungen nicht mit allgemein geachteten Grundsätzen oder den Vorstellungen
der Machthabenden kompatibel sind, vom Staat und der Öffentlichkeit nicht
geachtet und auch gegenüber anderen benachteiligt.
Kaiser Konstantin erließ sein
Toleranzedikt nicht aus lauter Liebe zum Menschen, sondern aus einem
Machtkalkül heraus. Er benutzte das Christentum, um seine eigenen
Machtansprüche durchzusetzen. Er hatte das Ziel der Universalmonarchie,
Weltherrschaft würde man heute sagen. Dabei ging er kaltblütig und skrupellos
vor, führte einen Krieg nach dem anderen, zerstörte die bestehende Ordnung und
einen Mitregenten nach dem anderen [6]. Kaiser Konstantin hatte auch keine
Skrupel, seinen eigenen Sohn zu ermorden, seine Frau zu ersticken, seinen
Schwiegervater zu erhängen und seine beiden Schwäger zu erwürgen. [7] Hatten die früheren Kaiser versucht, eine
Festigung des Reiches durch die gemeinsame Verehrung heidnischer Götter
(religiöse Einheit) zu erreichen, so versuchte Konstantin das nun mit der
katholischen Strömung des Christentums. Offenbar waren ihm der Dogmatismus und
die fast militärische Disziplin der Catholica nützlich. Auch die Anweisungen im
Alten und Neuen Testament, wie man sich gegenüber Abweichlern zu verhalten
hatte, passten wohl ausgezeichnet in seine Pläne. Jedenfalls wurden diese
Anweisungen später von ihm konsequent umgesetzt. Konstantin meinte, wer die
Gottheit pflichtschuldigst verehrt, nützt auch dem Staat am besten. Zwar war es
den Christen bisher verboten, zur Waffe zu greifen, aber Konstantin änderte das
schnell 314 mit der Synode von Arelate. Diese drohte allen Christen, die den
Kriegsdienst verweigerten, nun mit der Exkommunikation. Mit der so geschaffenen
Kriegsmacht tötete er mehr Menschen als alle Kaiser zuvor. Konstantin machte
das Christentum zu einer Militärreligion. Mit unzähligen eroberten Schätzen
bedachte er den katholischen Klerus. Da der katholische Klerus dadurch an Macht
gewann, hatte er auch schnell nichts mehr gegen die Kriegsführung einzuwenden.
Er ließ sich auch in anderen Glaubensfragen von Konstantin reglementieren. Das
Toleranzedikt sollte für Glaubensfreiheit sorgen, doch in Wirklichkeit wendete
sich Kaiser Konstantins Politik bald gegen alle Menschen, die keine Christen
waren und auch gegen solche Christen, die sich nicht zum Katholizismus bekannten.
„Je erfolgreicher Konstantin wurde, je mehr seine Macht und Bewegungsfreiheit
wuchsen, desto rücksichtsloser attackierte er auch die Heiden.“ [8] Konstantin ließ die Tempel der Heiden
zerstören und baute auf deren Grund katholische Kirchen, er raubte die
Kunstschätze der Heiden und verleibte sie dem Klerus ein. Konstantin wurde von
der katholischen Kirche heilig gesprochen und wird von dieser auch heute noch
stark verehrt. Seine Gewalttaten, sein Mord und sein Diebstahl wurden über die
Jahrhunderte fortgesetzt und werden bis heute verteidigt. Das von Konstantin
begründete Staat-Kirche Verhältnis, das die Kirche gegenüber anderen
Glaubensrichtungen bevorzugt, besteht bis heute. In Deutschland heißen sogar
noch einige Straßen nach Konstantin (Bonn, Mönchengladbach, Leipzig).
Nach diesen jetzt etwas ausschweifenden
Betrachtungen möchte ich wieder zum Inhalt der Informationskarte Christentum
zurück kommen.
Positiv zu bewerten ist die Aufnahme der
Aussage in die Informationskarte, dass das Christentum dann verbreitet WURDE
und die christlichen Herrscher häufig mit Gewalt gegen Menschen anderer
Religionen vorgingen. Das ist etwas, was nicht immer gern zugegeben wird.
Ob sich heute wirklich die „meisten“
Christen einig sind, dass andere Religionen nicht bekämpft, sondern geachtet
werden müssen, diese Aussage ist vermutlich nicht bewiesen worden. Immerhin
gilt die Bibel noch in ihrem vollen Wortlaut als gültig. Und darin lässt sich
keine Achtung anderer Religionen und erst recht keine Achtung religionsfreier
Menschen, die in dem Unterrichtsmaterial leider nicht erwähnt werden, erkennen.
Die Menschen, die sich heute Christen nennen und sich einig sind, dass andere
Religionen nicht bekämpft, sondern geachtet werden müssen, leben wohl eher in
unseren Breiten und erkennen das Christentum nicht umfänglich an. Gerade
aufgrund des Einflusses des Humanismus können es sich christliche Führer in
unserer Gesellschaft kaum noch leisten, andere Religionen nicht anzuerkennen.
Sie würden damit ihre eigene Macht riskieren.
Karte - Richtungen im Christentum: Katholiken,
Orthodoxe, Protestanten
Zitat:
„Für viele Katholiken gilt der Papst in Fragen des Glaubens als unfehlbar.“
Ist es
nicht so, dass ein Papst selbst das Dogma der Unfehlbarkeit des Papstes kreiert
hat?
Karte – Abraham
Zitat: „Gott will keine Menschenopfer“
Warum hat Gott dann seinen
Sohn grausamst hinrichten lassen?
Warum übergibt Mose 32 Jungfrauen als „Steuer des
Herrn“ dem Priester Eleasar, „wie der Herr es ihm befohlen hatte“ (Numeri,
31,40,41)?
Warum opfert Jiftach Gott seine jungfräuliche Tochter
(Richter, 11,39)?
Warum lässt sich Gott durch das Opfern von zwei Söhnen
und fünf Enkeln Sauls gnädig stimmen (2 Samuel 21,14)?
Karte
– Maria
Diese Informationskarte spart das Dogma der unbefleckten Empfängnis aus.
Ich denke, darauf hätte man kurz eingehen müssen. Gerade auch deshalb, weil so
viel die Rede davon ist und die Schüler verstehen sollten, was damit gemeint
ist. Von einer unbefleckten Empfängnis wusste man in der ersten Zeit des
Christentums noch nichts. Im 8. Jahrhundert kam das Fest der unbefleckten
Empfängnis Mariens auf. [9] „Unbefleckt“, damit meinte man, das Kind wird ohne
einen Geschlechtsakt und damit ohne Erbsünde geboren. (Der Begriff Erbsünde und
des Dogmas müsste erklärt werden.) Erst am 8. Dezember 1854 erklärte Pius IX
die unbefleckte Empfängnis Marias als Dogma. Ein weiteres Dogma ist das „Dogma
der leiblichen Himmelfahrt Mariens“. Solche Zuschreibungen von Wundern, die
normalen Menschen nicht passieren, trugen / tragen zu einem Heiligenkult bei.
Wird Maria wirklich in der Bibel an herausragender Stelle genannt, wie
es auf dem nächsten Infoblatt steht? Ist es nicht eher so, dass der Marienkult
erst viel später entstand?
Hat sich der biblische Jesus jemals freundlich gegenüber seiner Mutter
geäußert?
Karte
– Frauen im Christentum
Hier wird
viel zu wenig und viel zu harmlos auf die Diffamierung von Frauen im
Christentum eingegangen. Das einzig Kritische, was auf dieser Infokarte zu
Frauen im Christentum steht, ist dies:
„Zugleich
aber wurden die Frauen gegenüber den Männern immer mehr benachteiligt und von
kirchlichen Ämtern ausgeschlossen. Bis heute ist unter Christen umstritten, ob
Frauen Priesterinnen werden dürfen. … Die katholische und die orthodoxe Kirche
lehnen es ab.“
Die
früheste Geringschätzung der Frau im Christentum geht schon auf Paulus zurück.
[10] Auch legitimierten die herrschenden männlichen Vertreter der Kirche die
Frauenunterdrückung mit der Bibel, nach der der Mann zuerst da gewesen sein
soll und die Frau nur aus einer Rippe des Mannes entstand.
„Wenn sich
die Frau ihrem Mann, der ihr Haupt ist, nicht unterwirft, ist sie desselben
Verbrechens schuldig wie ein Mann, der sich nicht seinem Haupt (Christus)
unterwirft.“ [11]
Thomas von
Aquin bezeichnet die Frau als einen Missgriff der Natur, als eine Art
„verstümmelter“, „verfehlter“, „misslungener Mann“ [12]. Die Verteufelung der
Frau gipfelte in den Hexenverbrennungen. Wenigstens darauf sollte man
hinweisen. Und dafür waren nicht nur die Katholiken verantwortlich, sondern
auch die Protestanten unter der Führung von Martin Luther.
Im kirchlichen Leben wurde die Frau nicht
nur durch den Ausschluss von kirchlichen Ämtern diffamiert. Menstruierende und
Schwangere galten als unrein, auch die Geburt beschmutzte. Nicht nur die Mutter,
sondern auch die Geburtshelfer und zwar abhängig davon, welches Geschlecht das
Kind hatte. Bei Geburt eines Jungen betrug die Reinigungszeit der Mutter 40,
bei Geburt eines Mädchens 80 Tage. [13]
Die Frauenverachtung im Christentum setzt sich fort bis in die
Gegenwart. Ausdruck davon ist z.B. heute noch das christliche Verbot der
Empfängnisverhütung und das Aufbegehren christlicher Fanatiker gegen
Abtreibungen.
Karte – Gott
Zitat: „Er ist allmächtig“
Gott ist nach Auffassung der Christen nicht nur allmächtig, sondern
auch allwissend und allgütig. Warum hat man das hier verschwiegen?
Karte - Die Bibel
In diesem Abschnitt wird beschrieben, wann und wie die Bibel
entstanden ist und wie sie aufgebaut ist. Für ein Verständnis der Zusammenhänge
ist das von grundsätzlicher Bedeutung.
Zu der Bibelstelle zu den 10 Geboten, 2. Buch Mose, Kapitel 20, Vers
2-17, die hier zum Nachlesen empfohlen wird, „Du darfst nicht töten“ ist zu
sagen, dass es in der Bibel, die ja in jeder Hinsicht als gültig gilt, ganz
gegensätzliche Aussagen gibt, wie: „Eine Hexe darfst du nicht am Leben lassen“
[14] oder „Wer einer Gottheit außer Jahwe Schlachtopfer
darbringt, an dem soll die Vernichtungsweihe vollstreckt werden“ [15].
Man hätte noch auf die in der Bibel enthaltene Gewalt gegen
Andersgläubige eingehen sollen. Insbesondere deshalb, weil die Bibel in ihrem
vollen Wortlaut von den Großkirchen anerkannt wird.
Karte – Die Lehre Jesu
Die Worte aus der Bergpredigt:
„Selig sind, die arm sind vor Gott…
Selig
sind die Trauernden…
Selig
sind, die keine Gewalt anwenden…
Selig
sind, die hungern und dürsten nach Gerechtigkeit…
Selig
sind die Barmherzigen…
Selig
sind, die ein reines Herz haben…
Selig
sind, die Frieden stiften…
Selig
sind, die um der Gerechtigkeit willen verfolgt werden“... (Matthäus 5, Vers
3-10)
können ganz anders
verstanden werden, als hier dargestellt. Auf dieser Informationskarte steht,
dass diese Worte gerade nicht für die Reichen und Mächtigen gedacht wären. Jedoch
wurden und werden diese Worte von den Reichen und Mächtigen ganz in ihrem Sinne
genutzt und sind hervorragend dazu geeignet, um Menschen auszubeuten und zu
unterdrücken. Man bietet den armen Menschen, die sich aufgrund ihres
christlichen Glaubens ohne Gegenwehr auch noch das letzte, das sie haben,
wegnehmen lassen, die mit ihrem vollen Einsatz, selbst unter Verfolgung, Hunger
und Durst, für die „Gerechtigkeit“ eintreten – und Gerechtigkeit, das ist im
christlichen Verständnis nicht das, was wir heute unter Gerechtigkeit
verstehen, sondern eher ein fanatisches Eintreten für die Regeln des
Christentums und eine Bestrafung derjenigen, die diese Regeln nicht einhalten –
diesen armen Menschen bietet man „Seligkeit“. Damit ist ein Leben nach dem Tod
im Himmel gemeint. Etwas, was von Lebenden sowieso nicht überprüft werden kann,
ob man es dann tatsächlich auch bekommt.
Eine bloße Darstellung
dieser Jesusworte, die geradezu nach Missbrauch schreien, kann deshalb
reichlich fehlinterpretiert werden. Wir kommen nicht umhin, darüber zu reden,
was daraus gemacht wurde und leider auch immer noch gemacht wird. So sammelt
man heute noch reichlich Kirchensteuern und Spendengelder „für die Armen und
Kranken“, setzt aber in Wirklichkeit nur einen Bruchteil dieser Gelder für
soziale Zwecke ein.
Auf der Informationskarte steht: „In der
zweitausendjährigen Geschichte des Christentums sind diese Worte aber oft nicht
befolgt oder sogar in ihr Gegenteil verkehrt worden. In unzähligen Kriegen
haben auch Christen ihre Feinde getötet, Jahrhunderte lang haben sie andere
Menschen verfolgt und unterdrückt. Immer gab es Gruppen, die nach der
Bergpredigt leben wollten, aber meist waren sie in der Minderheit.“
Das hängt einerseits mit dem oben beschriebenen
Missbrauchspotential zusammen, andererseits aber auch mit der ausdrücklichen
Anweisung zur Feindestötung in der Bibel (diese darf man, wenn man Schülern ein
Grundwissen über das Christentum vermittelt, nicht aussparen). Auch die oben
dargelegte Mitgift Konstantins hat ihr Übriges dazu beigetragen.
Karte – Das Glaubensbekenntnis
Bei diesem Thema könnte man auf der Aufgabenkarte anregen, dass
Gläubige (evt. Klassenkameraden aus gläubigen Elternhäusern) befragt werden
sollen, ob sie das, was sie beim Glaubensbekenntnis bekennen, auch wirklich
glauben. (Gott als Schöpfer der Welt, Allmächtigkeit eines Gottes, Jesus als
Gottes Sohn, Glauben an den Heiligen Geist, jungfräuliche Empfängnis,
Auferstehung von den Toten, ewiges Leben) [16]
Karte – Die Sakramente / Das Abendmahl
Die Firmung – können sich Kinder wirklich dazu
bekennen, Christ zu sein? Bei der Konfirmation sollen die 13-jährigen diese
Frage mit „Ja“ beantworten: "Wollt ihr unter Jesus Christus, eurem
Herrn, leben, im Glauben an ihn wachsen und als evangelisch-lutherischer Christ
in seiner Kirche bleiben, so sagt ´Ja, mit Gottes Hilfe`". Der Theologe
Dieter Potzel fragt dazu: „Haben die Kinder eine faire Chance, diese Frage mit
„Nein“ zu beantworten? [17] -
Da sich einige Schüler gerade zum Zeitpunkt der Beschäftigung mit den
Informationskarten Christentum vor der Konfirmation befinden, könnte es
insbesondere auch für diese Schüler hilfreich sein, sich bereits vorher mit
dieser Frage auseinander zu setzen.
Das Abendmahl - Es liest sich so friedlich: „
…und das Abendmahl/ die Kommunion (ein
Teil des christlichen Gottesdienstes,
mit dem die Gläubigen an die letzte Mahlzeit Jesu vor seinem Tod erinnern).“
Michael Schmidt-Salomon schreibt zum Thema Abendmahl: „… Zunächst muss
festgehalten werden, dass sowohl Katholiken als auch Lutheraner von
amtskirchlicher Seite her glauben müssen, während des Abendmahls wahrhaftig
(nicht bloß symbolisch – das wäre calvinistische Ketzerei!) den „Leib des
Herrn“ zu verspeisen, wodurch sie „eins mit IHM werden“ … Aber: Es besteht
zwischen den Konfessionen erbitterte Uneinigkeit darüber, wie dieser „Leib des
Herrn“ in die „vegetarische Hostie“ kommt. Der Streit entzündet sich also an
der Frage, wie das rituell kannibalische Abendmahl theologisch korrekt
zubereitet wird. Für Katholiken ist für die Brot-in-Fleisch-Verwandlung
(Fachbegriff: „Transsubstantiation“) der Priester verantwortlich, Luther
hingegen war der Auffassung, das mache „der liebe Gott“ persönlich, weshalb er
die „Brotverzauberungslizenz“ („Priesterweihe“) abschaffte, was wiederum die
katholischen Geistlichen heftig erzürnte – bis zum heutigen Tag! [18]
Man sollte ehrlich sein und wenn man nun schon über das Abendmahl
schreibt, auch dazu schreiben, was dort wirklich nach katholischem und
evangelischem Glauben passiert. Dass man nämlich den Leib des Herren aufisst.
Und dass sich die katholische und evangelische Kirche nicht einig sind, auf
welche Weise der Leib des Herren nun in das Brot hinein kommt, deshalb also
auch kein gemeinsames Abendmahl eingenommen werden kann.
Die Internetseite http://www.theologe.de/sakramente_der_kirche.htm gibt weitere Anregungen zur
Auseinandersetzung mit den Sakramenten.
Karte – Die Taufe
Zitat aus
der Informationskarte: „Christliche Eltern lassen oft schon ihre kleinen Kinder
taufen. Es können sich aber auch Erwachsene taufen lassen.“
Beim
Studium der bisherigen Informationskarten ist aufgefallen, dass man sich in der
Darstellung mehr um den ursprünglichen Glauben bzw. um die ursprünglichen
Rituale bemüht hat. – Warum nicht bei der Taufe?
Die Taufe
fand ursprünglich nur bei erwachsenen Menschen statt. Erst etwa ab dem 3.
Jahrhundert hat man auch Säuglinge getauft. Mit der Einführung der Erbsünde ist
man im 5. Jahrhundert ganz zur Säuglingstaufe übergegangen. Heute lässt man
wieder Erwachsene taufen, weil es inzwischen viele Ungetaufte gibt, die die
Kirche gern noch in ihre Reihen aufnehmen will. Die Taufe hat nicht nur den
harmlosen Sinn, Menschen symbolisch in die christliche Gemeinschaft
aufzunehmen, sondern sie dient dazu, die Erbsünde abzuwaschen. Sie ist näher
betrachtet eine Art der Teufelsaustreibung. (Erbsünde und Teufelsaustreibung
müssten erklärt werden.)
Die
Säuglingstaufe wird auch deshalb kritisiert, weil man die Kinder nicht fragen
kann, ob sie den Stempel einer Kirche aufgedrückt bekommen wollen. Häufig geschieht die Taufe gegen den Willen
des späteren Erwachsenen. Wer katholisch getauft wurde, bleibt lebenslang
Mitglied der katholischen Kirche. Ein Austritt ist zwar formell, nicht aber
nach dem Kirchenrecht möglich. [19]
Karte – Die Kirche
Man hätte an dieser Stelle noch darauf eingehen
sollen, dass sich die Kirche(n) erst im Laufe der ersten Jahrhunderte nach der
Niederschreibung der Bibelteile herausbildete(n), wie sie sich herausbildete
und dass die Kirche, wie sie heute existiert, nicht zu der Lehre von Jesus
passt. (Siehe dazu auch meine Ausführungen zur Karte „Verbreitung des
Christentums“.)
Das Wort Kirche bedeutet übersetzt „Volksversammlung“ und war zunächst
nur eine Gemeinschaft der Gläubigen. Der institutionelle Überbau ergab sich
erst aus dem so genannten „apostolischen Auftrag“, die „frohe Botschaft“ zu
verkünden (Mission) und die Gläubigen entsprechend zu unterweisen. [20]
Warum sind die heutigen Formen der christlichen Kirche weltanschaulich
auf unsicherem Grund gebaut? Weil sie sich „auf einen Jesus berufen, den es
nicht gab, auf Lehren, die er nicht gelehrt, auf eine Vollmacht, die er nicht
erteilt, und auf eine Gottessohnschaft, die er selbst nicht für möglich
gehalten und nicht beansprucht hat.“ [21]
Karte – Die Geistlichen
Katholische Priester müssen sich nicht nur verpflichten, ein Leben
lang unverheiratet zu bleiben. Sie müssen sich auch dazu verpflichten, ein
Leben lang keinen Sex zu haben. Immer wieder kommt es dazu, dass Priester diese
hohe Bürde nicht ihr Leben lang durchhalten. Weltweit gibt es 1.000-e
Priesterkinder, die häufig geheim gehalten werden, da ihr Vater sonst sein Amt
und Einkommen verlieren würde. „Seit 1964 sind rund 85.000 katholische Priester
aus dem Priesteramt ausgeschieden, zu dem sie lebenslang geweiht wurden, weil
sie sich verliebt und geheiratet haben.“ [22] „Glaubwürdige Schätzungen gehen davon aus,
dass etwa 20 Prozent der römisch-katholischen Priester homosexuell sind.“ [23]
Sie sind dazu gezwungen,
ihre Homosexualität zu verleugnen oder ein Doppelleben zu führen, wenn sie
Priester bleiben wollen.
Karte – Die christliche Zeitrechnung
Zitat: „Die
Jahre werden nicht wie im jüdischen Kalender von der angeblichen Erschaffung
der Welt durch Gott, sondern von
dem (angenommenen) Geburtsjahr Jesu aus
gezählt. Alle Jahre, die vor der Geburt Jesu lagen, sind die Jahre „vor Christus“ …“
Das ist so falsch. Die Behauptung, im
zurück datierten Jahr 1 unserer Zeitrechnung wäre der Christengottessohn
geboren, ist unwissenschaftlich. Nach
Mt. 2.1 soll dieser Mann im Jahr 4 v.u.Z. oder
vorher geboren worden sein. Denn die Geburt wird dort mit „zur Zeit des
König Herodes“ angegeben. Herodes starb im Jahr 4 v.u.Z. Nach Lk. 2,1-2 soll der Christengottessohn im
Jahr 6 oder 7 u.Z. geboren worden
sein.
Der Julianische Kalender begann auch
nicht, wie in dem Unterrichtsmaterial dargestellt, mit dem 1. Januar, sondern meines
Wissens mit dem 1. März. Daran erinnern heute noch die Monatsnamen September –
Dezember (7. – 10. Monat).
Karte – Advent und Weihnachten
Warum hat man das Geburtsdatum Jesu auf den 25. Dezember gelegt?
Immerhin gibt es verschiedene Angaben in den historischen Dokumenten, die ein
Geburtsdatum im April oder November nahe legen. Der 25. Dezember war schon das
Geburtsdatum vorheriger Götter, wie z.B. des Mithras, des Sonnengottes, dessen
Bräuche man sich teilweise einverleibt hatte. Außerdem wurden am 25. Dezember
die Saturnalien gefeiert. Auch der Adventkranz wurde aus früheren Kulturen
übernommen. Er ist eine Abwandlung des Julkranzes, bei dem allerdings an jedem
Freitag eine Kerze weniger brannte. Den Adventskalender gibt es erst seit dem
19. Jahrhundert, der Weihnachtsbaum konnte sich erst gegen den Widerstand der
Kirchen durchsetzen. Die Symbolik des Kerzenbaums, als Vereinigung von lebendem
Licht (Flamme) und lebendem Grün (Nadelbaum), war verbreitet in vorchristlichen
Kulturen und hat immer die Sonnwendfeier begleitet.
Das Weihnachtsfest als christliches Fest
wurde erst ab dem 4. Jahrhundert gefeiert, nachdem das Christentum im Römischen
Reich schließlich zur alleinigen Staatsreligion erhoben worden war. Die
Umdeutung und Integration vorheriger Feste des heidnisch-römischen Kults in den
neuen Glauben war ein strategisches Element der ersten mitteleuropäischen
Missionare zur Christianisierung von Germanen und Kelten. Karl der Große machte
in Mitteleuropa um 800 das Weihnachtsfest zum Kirchenfest. [24]
„Die christliche Weihnachtserzählung ist
uns allen so vertraut, dass viele glauben, sie stünde in allen Evangelien. Sie
steht aber nur bei Lukas. Und Lukas hat sie aus alttestamentarischem und mehr
noch aus paganem Gut heraus gesponnen. Wie stark gerade der heidnische Einfluss
in der lukanischen Legende ist, wurde von der theologischen Forschung gezeigt:
„1. Die leicht sentimentale Schilderung der reisenden Mutter, die keinen Platz
findet, ihr Kind zu gebären. Hier denkt jeder griechische Leser an die Mutter
Apolls, die auch keine Stätte fand und die die Dichter ähnlich schildern. 2.
Wie das Zeuskind bei Kallimachos in Windeln gewickelt wird und das Dionysoskind
in einer Getreideschwinge liegt, so liegt bei Lukas das in Windeln gewickelte
Jesuskind in einer Krippe. 3. Die bukolische Hirtenerzählung wird ganz ähnlich
bei der Geburt des Kyros und des Romulus überliefert, wohl auch in
Mithraskindheitsgeschichten. 4. Die Lichterscheinung in der Nacht gehört in die
Stimmung der Mysterien. „Mitten in der Nacht sah ich die Sonne strahlend im
leuchtenden Licht“, heißt es von der Isisweihe. 5. Aus den Mysterienfeiern
stammt der Ruf: „Euch ist heute der Heiland geboren.“ ….“ [25]
Die Darstellung des Weihnachtsfestes im vorletzten Abschnitt des
Informationsblattes gehört eher nicht dorthin, denn sie hat weniger mit dem
Christentum zu tun, sondern entspricht in weiten Teilen dem weltlichen
Weihnachtsfest. (Fest des Friedens und der Liebe; Familienfest; bunt
geschmückter Baum; Geschenke; Weihnachtslieder; feierliches Essen; Besuch von
Verwandten und Freunden)
Karte – Das Verhältnis der Christen zu den Juden
Diese Informationskarte fehlt.
Ich halte es für unerlässlich, die Heranwachsenden zu diesem Thema
aufzuklären. Das bedeutet ein Stück Aufarbeitung bisher noch unverdauter
Geschichte, was unter Anwendung professioneller Lehrmethoden dazu beitragen
wird, die Ablehnung der Unterdrückung von Menschen oder Bevölkerungsgruppen
(egal, welche) in den Köpfen aller Menschen zu verankern. Religion darf nie
wieder ein Grund für ein Menschen verachtendes Handeln sein.
Der Christengottessohn war nach der Erzählung der Bibel ein Jude.
Daraus könnte man schlussfolgern, dass Christen und Juden Freunde sein müssten.
Warum also kam es dazu, dass Juden in den vergangenen Jahrhunderten immer
wieder von Christen diffamiert, versklavt, gedemütigt und getötet wurden?
Die Juden hatten den Anspruch, das von Gott auserwählte Volk zu sein.
Eben diesen Anspruch wollten die Christen für sich allein. „Die Christen
entwendeten den Juden das Alte Testament und gebrauchten es als Waffe gegen
sie.“ … „Schon Paulus verdammt die Juden im ältesten Zeugnis des Neuen
Testaments „bis ans Ende der Welt“.“ … Er „beschuldigt die Juden ganz generell,
dass sie stehlen, ehebrechen und Tempel plündern.“ Nach dem Johannesevangelium
bestreitet „der johanneische Christus“ den Juden „die (echte)
Abrahamskindschaft und lässt sie dafür vom Teufel abstammen.“ [26], [27] Die
Kirchenväter des 3., 4. und 5. Jahrhunderts übernahmen den Judenhass,
verfassten Schriften „Gegen die Juden“ behaupteten, „Der Teufel ist des Juden
Vater!“, sie wären Verbrecher, „ein verworfenes Volk“ und „blutbefleckte
Menschen“ und behaupteten immer wieder: Die Juden hätten Christus getötet.
Juden wurden versklavt, die Verheiratung eines Juden mit einer Christin wurde
unter Todesstrafe gestellt, ihre Synagogen wurden durch christliche Bischöfe
und Heilige beschlagnahmt, zerstört, niedergebrannt oder zu Kirchen gemacht. Im
Mittelalter wurden Juden immer wieder durch Katholiken verjagt und getötet, in „dreihundertfünfzig
deutschen Gemeinden nahezu sämtliche Juden, meist durch Verbrennung bei
lebendigem Leib.“ … „Im Jahre 1648 wurden in Polen bei einer antisemitischen
Welle etwa 200.000 Juden umgebracht. „ … Papst Innoszenz III. bezeichnete sie
in Jahre 1205 als „gottverdammte Sklaven“ … „schloss sie von öffentlichen
Ämtern aus, verbot ihnen bei großen christlichen Festen das Betreten der
Straße“ … „ordnete für Juden das Tragen bestimmter Kleidung oder gewisser
Abzeichen an.“ [28] Dies sind
nur wenige Beispiele für die Judenverfolgung, die es gegeben hat. – Der
Antijudaismus findet sich auch bei Martin Luther, der mit seiner Schrift: „Von
den Juden und ihren Lügen“ wesentlich zur Erhaltung des Judenhasses auch in der
evangelischen Kirche beitrug. Er fordert: „Dass man ihre Synagogen oder Schulen
mit Feuer anstecke, und was sich nicht verbrennen will, mit Erde überhäufe und
beschütte, dass kein Mensch einen Stein oder Schlacke davon sehe ewiglich. …“
Auch im II. Weltkrieg wurde die Judenausrottung von einigen christlichen
Kirchenführern unterstützt, was u.a. in verschiedenen Bekanntmachungen der
Kirchen insbesondere zwischen 1939 und 1941 dokumentiert ist. [29]
Nach den schrecklichen Ereignissen des Weltkrieges und aufgrund
humanistischer Einflüsse konnte der Judenhass in den Kirchen heute weitgehend
eingedämmt werden. Aufgrund der öffentlichen Ächtung der Judenverfolgung ist es
Kirchenvertretern heute auch nahezu unmöglich geworden, Judenhass zu äußern
oder gar zu praktizieren.
Es gibt jedoch immer wieder Ereignisse, die uns davor warnen sollten,
die Geschichte zu vergessen:
In Deggendorf, eine Stadt, in der 1337 alle Juden ermordet wurden, wo
daraufhin zu Ehren Gottes eine Kirche errichtet wurde, war diese Kirche noch bis 1992 aufgrund der
Ereignisse ein Wallfahrtsort. Die Abschaffung der Wallfahrt wurde nicht von
allen Deggendorfern begrüßt und führte auch innerhalb der Kirche zu geteilten
Meinungen. [30]
Im Jahr 2009 hat Papst Benedikt den britischen Geistlichen Richard
Williamson und drei weitere Bischöfe der ultrakonservativen Pius-Bruderschaft
rehabilitiert. Diese Geistlichen
leugnen den Holocaust und fordern: eine "Rückbesinnung der Kirche
auf ihre ureigenen, überlieferten Werte und Wurzeln". [31]
Papst Pius XII., der von 1939 - 1958 Papst war, hat damals den
Holocaust wissentlich ignoriert. Der heutige Papst Benedict will Pius XII.
heiligsprechen. Dieses Vorhaben wird vom Zentralrat der Juden kritisiert. [32]
Um Papst Pius XII. in einem besseren
Licht dastehen zu lassen, werden Tricks angewandt. Im November 2010 wurde ein
Film „Unter dem Himmel Roms“ gezeigt, der eine deutsch-italienische
Gemeinschaftsproduktion ist und geschichtsverfälschende Inhalte hat. Hier wird
Pius XII. als Helfer der Juden dargestellt.
Nach dem Antisemiten Bischof Hans Meiser sind heute noch Straßen
benannt [33]. Sein Bild hängt in den Amtszimmern führender Kirchenvertreter.
[34]
Auch kommt es immer wieder vor, dass führende Kirchenvertreter in
ihren Kirchen vor ihrem Gott für die Bekehrung der Juden beten. Für die Juden
stellt das jedoch eine Beleidigung dar. Führende Vertreter der wenigen heute
noch lebenden Juden haben dagegen protestiert. [35]
Aufgabe: Sucht in den Straßennamen Berlins und Deutschlands nach
Personen mit antisemitischem Hintergrund! (Luther, Melanchthon, Richard Wagner,
Balthasar Hubmaier, …) [36]
Karte – Das Verhältnis der Christen zu Nicht- und
Andersgläubigen
Diese Informationskarte fehlt.
Wie man mit Andersgläubigen umzugehen hat, findet sich in beiden Teilen der Bibel. So steht z.B. im Alten Testament: „Ihre Altäre sollt ihr vielmehr niederreißen, ihre Steinmale zerschlagen, ihre Kultpfähle umhauen.“ [37] Oder: „Gieß deinen Zorn aus über die Heiden, die dich nicht kennen, über jedes Reich, das deinen Namen nicht anruft.“ [38] Im Neuen Testament findet man Ähnliches: „Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden.“ [39] Jesus hält eine Rede gegenüber den Pharisäern, in der er diese als „Nattern“ und „Schlangenbrut“ beschimpft, im ersten Johannesbrief steht: „Wir wissen: wir sind aus Gott, aber die ganze Welt steht unter der Macht des Bösen.“ [40] Es gibt noch viele Stellen mit gleicher Intention im Alten und Neuen Testament.
Wie bereits im ersten Abschnitt beim Thema innerkirchliche Christenverfolgung dargelegt, wurden diese Anweisungen befolgt, sobald sich christliche Gruppen mit verschiedenen Theorien gegenüber traten. Das begann schon bei Paulus, verstärkte sich mit der Konstitution der Kirche(n) und weiter mit der Stärkung der Kirchen unter Konstantin, setzte sich fort über alle Jahrhunderte bis heute. Dabei wurden und werden insbesondere von den herrschenden Kirchenführern Menschen anderen Glaubens (incl. Menschen mit abweichendem christlichen Glauben, sowie auch religionsfreie Menschen diskriminiert, in ihren Handlungsfreiheiten eingeschränkt, gefoltert und getötet. Man findet entsprechende Verhaltensanweisungen bei fast allen bedeutenden Kirchenvertretern. In ausführlichen Schriften haben bedeutende Kirchenvertreter, einige von ihnen wurden inzwischen von Päpsten heiliggesprochen, ihr Vorgehen gegen die so genannten Häretiker und Ketzer begründet und verteidigt. Das Vorgehen gegen die Abweichler wurde seit Einführung des Staat-Kirche-Verhältnisses durch Konstantin immer auch unterstützt vom Staat.
Heute werden in Deutschland keine Abweichler mehr gefoltert oder getötet. Dennoch werden Menschen, die sich zum Christentum bekennen und am besten noch Kirchenmitglied sind, immer noch in einigen Bereichen bevorzugt. Obwohl etwa ein Drittel der deutschen Bevölkerung heute nicht mehr der Kirche angehört, werden z.B. fast alle politischen Ämter von bekennenden Christen belegt. Nur eine einzige Bundestagsabgeordnete hat nicht den Eid auf Gott abgelegt. [41] Viele Bundestagsabgeordnete sind nebenbei noch Mitglieder in kirchlichen Gremien. Auch durch ihrer Überrepräsentation in Ethikgremien nehmen christliche Politiker einen entscheidenden Einfluss darauf, dass christliche Moralvorstellungen ihren Niederschlag in unseren Gesetzen finden. [42] Die Kirchen genießen noch zahlreiche Privilegien und werden in Milliardenhöhe aus Steuergeldern der gesamten Bevölkerung finanziert. Der überwiegende Teil aller sozialen Einrichtungen ist Eigentum der Kirchen, in einigen Teilen Deutschlands wie z.B. Bayern sind es fast alle sozialen Einrichtungen. Menschen in sozialen Berufen wie z.B. Ärzte und Krankenschwestern haben dort oft keine Arbeitsmöglichkeit, wenn sich nicht Mitglied der Kirchen sind. Wer aber in einer kirchlichen Einrichtung arbeitet oder z.B. auch als Religionslehrer(in) angestellt ist, verliert oft seinen Beruf, wenn er oder sie sein oder ihr privates Leben nicht nach den Grundregen der Kirche gestaltet. Wer zum 2. Mal heiratet, verliert dadurch oft den Job. Dies alles mit Einverständnis der bundesdeutschen Regierung. Kirchen haben darüber hinaus auch besondere Privilegien in den Medien und können so zur Meinungsbildung der Bevölkerung beitragen. [43] Die beiden großen christlichen Kirchen werden vom Staat auch gegenüber vielen kleinen christlichen Gruppen bevorteilt. Ein großer Teil dieser Gruppen wird als Sekten abgestempelt. [44]
„Die Präambel unseres Grundgesetzes beginnt mit: „Im Bewusstsein seiner Verantwortung vor Gott und den Menschen“. Ähnliches steht auch in mehreren Länderverfassungen (Baden-Württemberg , Bayern, Niedersachsen, Nordrhein- Westfalen, Rheinland-Pfalz, Sachsen-Anhalt, und Thüringen).“ [45] „In Baden-Württemberg, Bayern, NRW, Rheinland-Pfalz und im Saarland ist als oberstes Bildungsziel „Ehrfurcht vor Gott“, oder „Gottesfurcht“ verankert. Hier wird implizit dazu aufgefordert, Kinder und Jugendliche in Angst und Abhängigkeit gegenüber einem religiösen System zu erziehen und das im gesamten Schulunterricht, nicht nur im Religionsunterricht. Dies steht sowohl der Weltanschauungsfreiheit als auch dem Recht auf ungestörte Religionsausübung diametral gegenüber.“ [46]
[1] In der Jugendarbeit
der Kirchen scheint die Thematisierung der frühen Christenverfolgungen eine
wichtige Rolle zu spielen. Daher entwickelte man wohl auch Spiele, wie dieses: http://www.praxis-jugendarbeit.de/spielesammlung/christenverfolgung-in-rom.html
. Es steht jedoch zu befürchten, dass auch die Kirchen in ihren
Religionsunterricht das Thema einseitig vermitteln. Daher ist es umso
wichtiger, im Ethikunterricht den Blick der Schüler etwas weiter zu fassen.
[2] Karlheinz Deschner, „Abermals krähte der Hahn“,
Verlag Arthur Moewig, 1989, S. 413f.
[3] Karlheinz Deschner, „Abermals krähte der
Hahn“, Verlag Arthur Moewig, 1989, S. 433
[4] Karlheinz Deschner, „Kriminalgeschichte des
Christentums, Die Frühzeit“, Verlag Rowohlt, 1996, S. 210f.
[6] Karlheinz Deschner, „Kriminalgeschichte des
Christentums, Die Frühzeit“, Verlag Rowohlt, 1996, S. 217 f.
[7] Karlheinz Deschner, „Kriminalgeschichte des
Christentums, Die Frühzeit“, Verlag Rowohlt, 1996, S. 264
[8] Karlheinz Deschner, „Kriminalgeschichte des
Christentums, Die Frühzeit“, Verlag Rowohlt, 1996, S. 279
[9] Karlheinz Deschner, „Abermals krähte der
Hahn“, Verlag Arthur Moewig, 1989, S. 404
[10] Karlheinz Deschner: „Das Kreuz mit der
Kirche“, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1974, S. 208
[11]
Kirchenvater
Hieronymus, hl., 347-420
[12] Fuchs, J.: „Die Sexualethik des heiligen
Thomas von Aquin“, 1949, S. 139
[13] Karlheinz Deschner: „Das Kreuz mit der
Kirche“, Wilhelm Heyne Verlag, München, 1974, S. 218f.
[14] Ex 22,17
[15] Ex 22,19
[16] Siehe dazu: http://www.reimbibel.de/statistik.htm
[17]
http://www.theologe.de/sakramente_der_kirche.htm#Konfirmation
[18]
Michael Schmidt-Salomon: „Die
Kannibalen kommen!“, Editorial zu MIZ 3/2003, http://www.schmidt-salomon.de/editMIZ303.htm
[19] Zeitschrift "Der Theologe",
Herausgeber Dieter Potzel, Ausgabe Nr. 40, Die katholische und evangelische
Taufe - Was steckt wirklich dahinter?, zit. nach http://www.theologe.de/taufe_katholisch_evangelisch.htm
, Fassung vom 4.2.2011
[20] Carsten Frerk, Michael Schmidt-Salomon: „ Die
Kirche im Kopf“, Alibri Verlag, Aschaffenburg, 2007, S. 193
[21] Augstein, Rudolf: Jesus Menschensohn. München
1999, S. 11
[22] http://www.karin-jaeckel.de/werhilft/zoelibat.html
; Karin Jäckel ist die Autorin eines Buches über Priesterkinder: „Sag keinem,
wer dein Vater ist.“
[23]
http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,386709,00.html
[24]
Helmut Steuerwald, „Mythos Weihnachten ‑ Geburt des Jesus‑Kindes? - Wie eine Legende entstand, verbreitet und ausgenutzt wurde“,
Vortrag beim Bund für Geistesfreiheit(bfg) Fürth 1999, http://www.schulfach-ethik.de/ethik/Gymnasium/mythosweihnachten.htm
[25]
Karlheinz Deschner, „Abermals krähte der Hahn“, Verlag Arthur Moewig,
1989, S. 86
[26] Joh
8,44
[27]
Karlheinz Deschner, „Abermals krähte der Hahn“, Verlag Arthur Moewig,
1989, S. 486 ff.
[28]
Karlheinz Deschner, „Abermals krähte der Hahn“, Verlag Arthur Moewig,
1989, S. 492 ff.
[29] http://www.theologe.de/theologe4.htm
[30] http://www.focus.de/schule/lehrerzimmer/wettbewerbe/history/tid-5732/metten_aid_56238.html
[32] http://www.spiegel.de/panorama/0,1518,668136,00.html
[33] Lt.
Google Map im März 2011 in Bayreuth, Kulmbach und Schwabach
[34] http://www.theologe.de/theologe11.htm
[35] http://sc.tagesanzeiger.ch/dyn/news/ausland/852861.html
[36] Zum
Thema Christen und Antisemitismus finden sich z.B. hier umfassende
Informationen: http://www.theologe.de/theologe4.htm#Antisemitismus
[37] Ex.
34; 12,13
[38] Ps.
79; 6
[39] Mk.
16;16
[40] 1 Joh.
3; 8-10
[41] Im Wortlaut des Amtseides und des Diensteides
der Bundesrepublik Deutschland wird der Schwur mit den Worten „So wahr mir Gott
helfe" bekräftigt.
[42] Beispiele: verbotene aktive Sterbehilfe,
Diskriminierung von homosexuellen und transsexuellen Menschen, unzureichende
Kostenerstattung und Gesetzgebung im Zusammenhang mit
reproduktionsmedizinischen Behandlungen, Einfluss auf das Verbot der
Präimplantationsdiagnostik. Letzteres wird durch die aktuell politische
Diskussion und durch einen allmählichen Wandel bei der Rechtssprechung
allerdings evt. bald Vergangenheit sein. Das kirchliche Abtreibungsverbot wurde
in Deutschland auch schon vor Jahrzehnten abgeschafft.
[43] Die Internetseite des Humanistischen
Pressedienstes www.hpd.de informiert fast
täglich auch über aktuell politische Themen, die das Staat-Kirche Verhältnis belegen.
Eine Sammlung zu aktuell politischen Themen der letzten Jahre hat z. B. der
ehemalige evangelische Pfarrer Dieter Potzel hier: http://www.theologe.de/kirche_staat.htm
abgelegt.
[44] http://www.theologe.de/theologe12.htm
[45] http://www.laizisten.de/index.php?option=com_content&task=view&id=94&Itemid=33
[46] http://www.laizisten.de/index.php?option=com_content&task=view&id=94&Itemid=33