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Vorwort zur kleinen Reimbibel (AT, 2. Auflage)

Vorwort
Seit Jahrtausenden werden auf unserer Erde tausende von – zumeist männlichen – Göttern verehrt. Bei aller Verschiedenheit ist diesen angeblich existierenden Göttern gemeinsam, dass sie sich verborgen halten und Zweifel an ihrer Existenz nicht ausräumen können oder wollen. Besonders viele Anhänger und Anhängerinnen haben zwei monotheistische und miteinander verwandte Religionen: das Christentum und der Islam. Beide Glaubenslehren wurden nicht nur durch das Wort, sondern auch mit dem Schwert verbreitet.

Basis des christlichen Glaubens ist die Bibel, eine Sammlung von Schriften meist unbekannter Autoren der Antike. Die Bibel ist wegen ihrer weitreichenden Wirkungen auf den Lauf der Geschichte und auf das Leben von Milliarden von Menschen neben dem Koran das wichtigste Buch der Welt. Sie enthält großartige Literatur, sie predigt die Nächstenliebe, sie spendet Trost, aber sie stiftet auch an zu Intoleranz, Unterdrückung, Hass und Gewalt. Kriege wurden regelmäßig durch religiöse Führer unterstützt. Derzeit leiden zig Millionen Menschen unter Putin und dem Chef der russisch-orthodoxen Kirche, Kyrill I., die eine Wiederherstellung des „heiligen Rus“ anstreben, zu dem Russland, Weissrussland und die Ukraine gehören.

Die Bibel ist ein böses Buch, der Menschheit wurde sie zum Fluch.
Die Bibel hat auch gute Stellen, doch mehr gibt´s von den kriminellen.

Viele Christ/inn/en behaupten, die Bibel sei die unverzichtbare Basis moralischen Verhaltens, denn ohne Gott sei alles erlaubt. Trotz ihrer großen Bedeutung lesen aber hierzulande nur noch 4% der Bevölkerung häufig in der Bibel: https://reimbibel.de/statistik.htm. Für aufgeklärte oder nie religiös indoktrinierte Menschen ist die Bibel nicht heilig, sondern von Menschen geschriebenes und zusammengestelltes menschliches Reden über Gott und die Welt. Die Bibel ist schlecht editiert, sie liest sich schlecht, und sie ist im Grunde blasphemisch. Sie stellt Gott im Alten Testament nicht als einen Gott der Liebe, sondern als einen besonders jähzornigen und gewaltbereiteten Psychopathen dar, der immer wieder in seiner Eifersucht droht und mordet.

Mit meinen kleinen Reimbibeln möchte ich auf unterhaltsame Weise über wichtige Inhalte und Probleme der Bibel und des Glaubens informieren. Ich habe – von einigen Ausnahmen abgesehen – versucht, möglichst am Wortlaut der Lutherbibel (1912/1984) oder der Einheitsübersetzung (2006) zu bleiben. Intensiv gläubigen Juden und Christen wird meine Darstellung und Kommentierung des sog. Alten Testaments vermutlich nicht gefallen. Vielleicht hilft sie aber schon weitgehend vom Glauben Abgefallenen, religiösen Restalkohol und damit einhergehende Angst- und Schuldgefühle abzubauen.

Wolfgang Klosterhalfen, Düsseldorf, April 2022