Prof. Dr. Wolfgang Klosterhalfen, In der Donk 30, 4.7.2007

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Herrn

Oberstaatsanwalt Schöpper

Der Generalstaatsanwalt

Postfach 15 71

59005 Hamm

 

 

Betr.: 28 Js 149/05 (305) StA Essen

Ihr Ablehnungsschreiben vom 31.5.2007 (2 Zs 2441/06)

 

 

Sehr geehrter Herr Schöpper,

 

es ist nicht möglich, aber auch gar nicht notwendig,

Herrn Dr. Stemmann nachzuweisen, dass das Gelsenkirchener

Behandlungsverfahren (GBV) überhaupt nicht wirkt.

 

Betrug liegt allein schon deswegen vor, weil Stemmann zu Werbezwecken

objektiv belegbar weitaus mehr verspricht, als er halten kann.

 

Da Stemmann in der Kinderklinik Gelsenkirchen sich in erster Linie

(gemessen am Zeitaufwand) seinen Privatpatienten bzw. deren Müttern

widmet, erzielt er durch seine betrügerische Werbung finanzielle Vor-

teile.

 

Stemmann lügt, weiß, dass er lügt, und hat finanzielle Vorteile davon.

 

Bei Stemmann ist ein Sonderfall dadurch gegeben, dass er etwas

verspricht, was praktisch keiner seiner Fachkollegen verspricht,

nämlich die HEILUNG der Neurodermitis. Er tut so, als sei er seinen

Tausenden von Fachkollegen weit überlegen. Sein Verhalten ist also

nicht an normalen Maßstäben zu messen, sondern an seinem

eigenen HEILUNGSVERSPRECHEN, das bei Eltern und Krankenkassen

zu unrealistisch hohen Erwartungen an sein Behandlungsverfahren geführt

hat.

 

Der Unterschied zwischen der anscheinend vorhandenen Besserung

und einer Heilung ist von großer Bedeutung. Stemmann behandelt ja

überwiegend schwerkranke Kinder. Wenn bei solchen Kindern

eine Besserung eintritt, leiden sie immer noch sehr unter ihrer

Neurodermitis. Bei einer Heilung ist das Leiden aber endgültig beendet.

 

Aufgrund der betrügerischen Werbung für das GBV reisen Eltern mit ihren

Kindern aus ganz Deutschland zur Kinderklinik Gelsenkirchen.

Sie haben den (falschen) Eindruck, das Stemmann ihrem Kind

besser helfen kann als ein „normaler“ Arzt, wie er am eigenen

Wohnort zu finden ist. Würde Stemmann nicht bei verzweifelten

Eltern unrealistische Hoffnungen wecken, hätten er und seine

Klinik sehr viel weniger Patienten und entsprechend einen sehr viel

geringeren Umsatz.

 

Würde Stemmann nicht mehr versprechen als seine pädiatrischen

und dermatologischen Kollegen, wäre nicht einzusehen, warum

Krankenkassen statt einer preiswerten und das Leiden lindernden

ambulanten Behandlung mit Salben eine – bei Kleinkindern

mindestens dreiwöchige – stationäre, psychisch stark belastende

und sehr teure Behandlung bezahlen sollten.

 

Das Heilungsversprechen oder zumindest ein Versprechen, mehr

leisten zu können als andere, ist also eine notwendige Voraus-

setzung dafür, dass die Kinderklinik Gelsenkirchen mit dem GBV

so hohe Umsätze erzielen, und Herr Dr. Stemmann so viele

Privatpatientenbehandlungen abrechnen kann.

 

Ein objektiv feststellbare Täuschungshandlung ist bei Stemmann

dadurch gegeben, dass dieser behauptet, die Neurodermitis bei

80% seiner Patienten innerhalb eines Jahres zu HEILEN, seine

eigenen Untersuchungen aber belegen, dass es bei 80% seiner

Patienten nur zu einer BESSERUNG kommt. Stemmann hat

diesen wichtigen Aspekt seiner fortgesetzten Betrügereien also selbst

belegt.

 

Da man Stemmann nicht – in dubio pro reo – unterstellen kann,

er kenne seine eigenen Daten nicht oder würde diese nicht

verstehen, muß auf eine bewusste Betrugsabsicht geschlossen

werden. Es fehlt also nicht an einer objektiven Täuschungshandlung.

 

Stemmann mag von einem Erfolg seines Verfahrens subjektiv

überzeugt sein. Er behauptet jedoch wider besseren Wissens

öffentlich, er würde die Neurodermitis HEILEN.

 

Würde Stemmann nur behaupten, sein Verfahren hätte Erfolg,

hätte ich ihn nicht angezeigt. Ich habe ihn hauptsächlich deshalb

wegen Betrugs angezeigt, weil er die Fähigkeit, die Neurodermitis

zu HEILEN, vortäuscht.

 

Dass Stemmann die unstrittig vorhandenen spontanen, also

behandlungsunabhängigen Besserungen der Neurodermitis,

die bei vielen Kleinkindern innerhalb von einem Jahr auftreten,

als eigene Erfolge ausgibt, vergrößert den stemmannschen

Betrug, d.h. die Differenz zwischen dem, was Stemmann ver-

spricht (Heilung durch das GBV), und was er hält.

 

Diese Differenz ist zwar nicht genau zu quantifizieren, es ist aber

unter Kinderärzten und Hautärzten unstrittig, dass es sich bei der

sogenannten Spontanremission um einen großen systematischen

Verbesserungseffekt handelt. Stemmann kann dies täglich schon

allein an der Tatsache ablesen, dass in seiner Klinik weitaus mehr

Kleinkinder als Jugendliche behandelt werden. Natürlich weiß er

auch aus anderen Quellen, dass das Auftreten und Verschwinden

der Neurodermitis stark altersabhängig ist.

 

Auch hinsichtlich Stemmanns Nähe zu Hamer ist ihre

Argumentation abwegig. Nicht strafbar wäre, wenn Stemmann

sich zu den Theorien Hamers auch von 1993 bis heute

bekennen würde. Er hat aber – teils sogar wörtlich - bei Hamer

abgekupfert und bekennt sich nicht zu diesem peinlichen

Sachverhalt. Neuerdings behauptet er sogar, das GBV habe mit

Hamer nichts zu tun. Dies ist nachweislich gelogen.

 

Ob Stemmann die pseudomedizinischen Wahnideen Hamers

für richtig hält oder nicht, und diese in das GBV einfließen oder

nicht, ist aber ein Sachverhalt, der für das Ansehen und den

finanziellen Erfolg des GBVs wichtig ist.

 

Stemmann täuscht absichtlich und systematisch über seine

Beziehung zu Hamer, um möglichst zu verhindern, dass Medien,

Eltern und die Krankenkassen wegen der Nähe des GBVs zum

Irrsinn Hamers an Stemmanns Seriosität und am versprochenen

Behandlungserfolg zweifeln.

 

Aus Ihren Ausführungen geht nicht hervor, weshalb sie die

Tatsache, dass Stemmann Heilungen vortäuscht, wo nur Besser-

ungen vorliegen, nicht als Betrug ansehen. Bitte seien Sie so

freundlich, mir dies nachträglich zu erläutern.

 

Mit freundlichem Gruß

 

…………………………………………………………………………………………

 

Auf dieses Schreiben bekam der Verfasser keine Antwort.

 

Detaillierte Informationen zum Gelsenkirchener Klinikskandal:

www.reimbibel.de/Chronik-des-Gelsenkirchener-Klinikskandals.htm

 

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